Schimpansen: Freunde bevorzugt - wissenschaft.de
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Schimpansen: Freunde bevorzugt

Schimpansen
Schimpansen teilen Nahrung mit ihren Freunden. (Foto: Liran Samuni, Taï Chimpanzee Project)

Wenn es ums Teilen geht, sind Schimpansen wählerisch: Von beliebten Leckereien wie Fleisch, Honig oder großen Früchten geben sie längst nicht jedem Gruppenmitglied etwas ab. Entscheidend ist vielmehr die Beziehung zum Gegenüber, wie Biologen bei wildlebenden Schimpansen an der Elfenbeinküste beobachteten: Freunde sowie Jagdgenossen bekommen am ehesten etwas vom Futter ab. Ein hoher Rang oder penetrante Bettelei führen dagegen zu keinem Anteil an der Leckerei.

Die meisten Tiere teilen ihre Nahrung nur mit Verwandten und Fortpflanzungspartnern. Denn schließlich bringt nur dies direkte Vorteile für einen selbst und die eigenen Nachkommen. Anders ist dies beim Menschen: Fleisch nach der Jagd mit anderen zu teilen und beliebte Nahrungsmittel untereinander zu tauschen, wird als Schlüssel für die Evolution menschlicher Kooperation betrachtet. Weit verbreitet ist die Annahme, dass unsere Vorfahren ihre Nahrung teilten oder tauschten, um später von den Begünstigten Gefälligkeiten gewährt zu bekommen oder von ihnen als Kooperationspartner versorgt zu werden.

Wie kooperieren unsere nächsten Verwandten?

Doch war diese Art der Kooperation eine Erfindung unserer menschlichen Vorfahren? Um das herauszufinden, untersuchen Wissenschaftler das Sozialverhalten unserer nächsten Verwandten, der Menschenaffen. So ist von Schimpansen und Bonobos bereits bekannt, dass sie uns beim Teilen in manchem ähnlich sind: Experimente mit Schimpansen in Gefangenschaft zeigen, dass sie bevorzugt mit den Artgenossen teilen, die ihnen zuvor eine Gefälligkeit erwiesen haben.

Nach welchen Kriterien wildlebende Schimpansen ihr Futter teilen, haben nun Liran Samuni vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (MPI-EVA) in Leipzig und ihr Team untersucht. Für ihre Studien beobachteten sie freilebende Schimpansen im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste sowohl bei der Jagd und dem anschließenden Fressen als auch beim Teilen von anderer Nahrung. Besonderes Augenmerk richteten sie darauf, wem die Menschenaffen jeweils etwas abgaben und in welcher Situation.

Freunde und Jagdgenossen bevorzugt

Es zeigte sich: Wenn es um besonders beliebte Leckereien wie Fleisch, Honig, oder große Früchte geht, sind Schimpansen beim Teilen sehr wählerisch. Sie geben dieses Futter bevorzugt an enge Freunde und höchstens noch an Jagdpartner ab. „Schimpansen berücksichtigen bei ihrer Entscheidung, mit wem sie ihre Nahrung teilen, wer ihnen dafür am wahrscheinlichsten später eine Gefälligkeit erweisen würde“, sagt Samuni. „Oder – wie es nach Gruppenjagden der Fall ist – die Tiere revanchieren sich bei anderen Jägern für die Hilfe bei der gemeinsamen Jagd.“ Urin-Analysen der Menschenaffen zeigten zudem, dass nach dem Teilen der Gehalt des „Kuschelhormons“ Oxytocin bei den Tieren anstieg. „Das belegt die Schlüsselrolle des Oxytocins bei der Kooperation im Allgemeinen“, betont Samuni.

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Interessant auch: Ein hoher Rang oder penetrante Bettelei half den Artgenossen nicht dabei, den Futterbesitzer zum Teilen zu bewegen. Darin unterscheiden sich die Taï-Schimpansen offenbar von denen einer anderen Unterart, die durchaus etwas von ihrem Futter abgaben, wenn sie sich von bettelnden Artgenossen belästigt fühlten. „Das war bei den Taï-Schimpansen nicht der Fall, was die große Variationsbreite kooperativen Verhaltens zwischen verschiedenen Schimpansenpopulationen verdeutlicht“, sagt Samunis Kollegin Catherine Crockford. Auch menschliche Populationen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Kooperationsbereitschaft.

Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass Taï-Schimpansen – wie Menschen auch – genau auswählen, mit wem sie etwas teilen, und dass sie dabei ihre Freunde und die Artgenossen, die ihnen beim Erwerb der Nahrung geholfen haben, bevorzugt behandeln. Die emotionale Verbindung, wie sie unter Freunden üblich ist, spielte wahrscheinlich auch für die Entwicklung der menschlichen Kooperation eine entscheidende Rolle, so die Wissenschaftler.

Quelle: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Fachartikel: Proceedings of the Royal Society B, doi: 10.1098/rspb.2018.1643

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