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Umwelt+Natur

Schimpansen lassen Bäume erklingen

Einem mysteriösen Verhalten auf der Spur: Warum werfen Schimpansen manchmal Steine gegen Bäume? Offenbar geht es dabei um den Klangeffekt, lassen Untersuchungsergebnisse vermuten. Die Affen bevorzugen demnach Baumarten, die bei den Erschütterungen besonders tiefe Töne erzeugen und lange nachklingen. Dies legt nahe, dass das Verhalten der Kommunikation dient, sagen die Wissenschaftler.

Geschickt nutzen sie Stock und Stein – Schimpansen gebrauchen Werkzeuge und stellen sie sogar selber her, belegen viele Studien. Sie knacken beispielsweise Nüsse, angeln nach Termiten oder holen mit Stöcken Honig aus Bienenstöcken. Darüber hinaus kommen Gegenstände auch beim Sozialverhalten zum Einsatz: Männliche Schimpansen werfen etwa manchmal mit Zweigen und Steinen, um Artgenossen zu imponieren. Ein interessanter Aspekt ist dabei: In bestimmten Gruppen beobachtete Verhaltensweisen sind nicht automatisch auch für andere Populationen typisch – es gibt unterschiedliche „Affenkulturen“.

Was hat es mit dem Steinewerfen auf sich?

In diesem Zusammenhang sind Forscher vor ein paar Jahren bei westafrikanischen Schimpansen auf ein besonders ungewöhnliches Verhalten gestoßen: Aufnahmen von Kamerafallen zeigten, dass die Tiere dort manchmal Steine gegen Bäume werfen und dabei laute Rufe ausstoßen. An manchen Bäumen entstehen dadurch kleine Steinhaufen. Was es mit dem seltsamen Verhalten auf sich hat, war bislang unklar. Die Forscher um Ammie Kalan vom am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sind nun dem Verdacht nachgegangen, dass akustische Effekte bei dem sogenannten „kumulativen Steinwurfverhalten“ eine Rolle spielen.

Dabei gab es einen Hinweis: Die Tiere nutzen nur bestimmte Baumarten für das kumulative Steinwurfverhalten, berichten die Wissenschaftler. Gegen andere werfen sie hingegen keine Steine, obwohl sie ähnlich groß sind und im Lebensraum der Tiere ebenfalls häufig vorkommen. „Dies deutete darauf hin, dass die Schimpansen bei der Baumauswahl bestimmte Kriterien berücksichtigen“, erklärt Kalan. „Deshalb haben wir die Klangeigenschaften von sieben Baumarten untersucht, die die Schimpansen für das kumulative Steinwurfverhalten nutzen und mit den akustischen Merkmalen von Baumarten verglichen, die sie dafür nicht verwenden“, sagt die Verhaltensforscherin.

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Bäume als Schlaginstrumente

Die Soundanalysen ergaben: Von den Schimpansen bevorzugte Baumarten erzeugten Aufprallgeräusche mit niedrigeren Frequenzen. Dabei ist ihre Klangfarbe weniger gedämpft als bei den nicht genutzten Arten. Der Klang hallt in der Umgebung dadurch länger nach, sagen die Wissenschaftler. „Für den Hörer ergibt sich ein beeindruckender Klang, der auch über größere Entfernungen hinweg besser übertragen wird, wobei wir Letzteres noch gesondert testen müssen“, sagt Kalan.

„Als wir zum ersten Mal Schimpansen dabei beobachteten, wie sie wiederholt Steine gegen Baumstämme werfen, sodass sich dort Steinhaufen bilden, hat uns das sehr überrascht. Unserer aktuellen Ergebnisse legen nun nahe, dass dieses Verhalten der Kommunikation dient“, resümiert Kalan. Sie und ihre Kollegen wollen dem ungewöhnlichen Forschungsthema nun auch weiter nachgehen: „Als Nächstes werden wir die Auswahl der einzelnen Bäume und der Standorte, an denen das Steinewerfen praktiziert wird, im Detail untersuchen, um noch mehr über dieses mysteriöse Verhalten zu erfahren“, sagt Kalan.

Video:

Quelle: Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Fachartikel: Biology Letters, doi: 10.1098/rsbl.2019.0747

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