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Umwelt+Natur

Schlau durch Angstschweiß

Der Geruch von Angstschweiß verbessert die geistige Leistungsfähigkeit und macht gleichzeitig vorsichtig. Das haben amerikanische Forscherinnen in einer Studie gezeigt, in der sie den Einfluss verschiedener Gerüche auf das Ergebnis eines Sprachtests untersuchten. Dabei schnitten die Probanden, die dem Geruch von Angstschweiß ausgesetzt waren, deutlich besser ab als Teilnehmer, die lediglich normalen Schweiß oder eine Kontrollsubstanz wahrnahmen. Damit konnte erstmalig nachgewiesen werden, dass die Chemikalien, die in Angstsituationen mit dem Schweiß abgesondert werden, das Verhalten des Menschen beeinflussen ? ein Effekt, der aus dem Tierreich bereits seit langem bekannt ist.

Wenn Tiere unter Stress stehen oder Angst haben, produzieren sie chemische Warnsignale, die ihre Artgenossen alarmieren sollen. Diese Duftstoffe können das Verhalten, den Hormonhaushalt oder sogar das Immunsystem desjenigen beeinflussen, der sie wahrnimmt. Während diese Mechanismen im Tierreich gut dokumentiert sind, war es bislang unklar, ob es beim Menschen einen ähnlichen Effekt gibt. Um das zu testen, sammelten Denise Chen und ihre Kolleginnen von der Rice-Universität in Houston verschiedene Duftproben: Sie zeigten einigen Freiwilligen entweder ein Horrorvideo oder einen Dokumentationsfilm und fingen gleichzeitig den Achselschweiß der Teilnehmer mit Gazestückchen auf.

Diese Gazestückchen klebten die Forscherinnen im eigentlichen Test den 75 Probandinnen unter die Nase und ließen sie anschließend einen Sprachtest durchführen. Dabei sollten die Teilnehmerinnen beurteilen, ob kurz auf einem Bildschirm aufflackernde Wortpaare einen inhaltlichen Zusammenhang besaßen ? wie beispielsweise das Paar „Arm“ und „Bein“ ? oder ob es sich um völlig unterschiedliche Wörter handelte, wie es bei „Arm“ und „Wind“ der Fall ist. Das Ergebnis: Die Probandinnen, deren Gazestückchen mit Angstschweiß getränkt waren, erkannten die inhaltlichen Zusammenhänge signifikant besser als die anderen Teilnehmerinnen, ohne jedoch langsamer zu sein.

Das zeige, dass die Angstsignale im Schweiß die Fähigkeit verbessern, Zusammenhänge zu erkennen, schreiben die Forscher. Gleichzeitig machen sie einen Menschen vorsichtiger: In den Fällen, in denen die Bedeutung der gezeigten Wörter potenziell bedrohlich war, verzögerte der Angstgeruch nämlich die Reaktion der Probandinnen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Demnach gibt es wahrscheinlich eine erlernte Assoziation zwischen dem Geruch der Angstsignale und einem Programm im Gehirn, das sowohl die kognitive Leistungsfähigkeit als auch die Wachsamkeit erhöht, vermuten die Wissenschaftler.

Denise Chen (Rice-Universität, Houston) et al.: Chemical Senses, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1093/chemse/bjj046 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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