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Schlimmer Schaden am Great Barrier Reef

Von der Bleiche gezeichnet: Erblasste Korallen der Gattung Acropora (Foto: ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies/ Gergely Torda)

Marine Hitzewelle mit Folgen: Im Rekord-Wärmejahr 2016 erlebte das Great Barrier Reef in Australien seine bisher schlimmste Korallenbleiche. Nun haben Forscher untersucht, ob und wie sich die Nesseltiere von diesem Stress erholen konnten. Das Ergebnis: 29 Prozent der insgesamt mehr als 3800 Einzelriffe dieses Naturwunders haben in der Folge der Hitzewelle zwei Drittel oder mehr ihrer Korallen verloren – und damit die Fähigkeit, als Ökosystem vollständig funktionsfähig zu bleiben.

Es ist das größte Korallenriff der Erde und ein UNESCO-Weltnaturerbe: das Great Barrier Reef. Doch das einzigartige Ökosystem vor der Ostküste Australiens ist akut bedroht. Der Klimawandel, die zunehmende Verschmutzung des Meeres und eine Massenvermehrung gefräßiger Seesterne machen den Korallen seit Jahren zu schaffen. Im Rekord-Wärmejahr 2016 erlebte das Riff dann seine bisher schlimmste Korallenbleiche. Dieses Phänomen entsteht, weil die Nesseltiere bei Stress – zum Beispiel durch zu warmes Wasser – ihre einzelligen Algen-Symbionten abstoßen. „Wenn Korallen durch eine marine Hitzewelle erbleichen, können sie entweder überleben und ihre Farbe mit dem Absinken der Temperaturen allmählich wiedererlangen oder sie sterben ab“, sagt Terry Hughes von der James Cook University im australischen Townsville.

Ob und wie sich die Korallen von der Hitzewelle 2016 erholen konnten, haben der Ökologe und seine Kollegen nun im Detail untersucht. Dafür werteten sie mithilfe von Satellitendaten das geographische Muster der Wärmebelastung aus und analysierten, wie viele Nesseltiere in den unterschiedlichen Bereichen des insgesamt 2300 Kilometer langen Naturwunders überlebt hatten. Ihre Ergebnisse sind ernüchternd: 29 Prozent der insgesamt mehr als 3800 Einzelriffe des Great Barrier Reefs haben in der Folge der Hitzewelle vor zwei Jahren zwei Drittel oder mehr ihrer Korallen verloren – und damit ihre Fähigkeit, als Ökosystem vollständig funktionsfähig zu bleiben. Am stärksten von diesem dramatischen Sterben betroffen ist ausgerechnet der nördliche Bereich des Great Barrier Reefs, wie die Forscher berichten. Gerade dieses Gebiet galt zuvor als besonders unberührt und gut erhalten.

Dem Untergang geweiht?

Doch nicht nur die Anzahl der Korallen hat sich durch die Katastrophe verändert. Auch die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften erfuhr einen deutlichen Wandel, denn offenbar machte die Hitze nicht allen Arten gleich stark zu schaffen. Demnach starben vor allem schnell wachsende Spezies wie die Hirschgeweihkoralle (Acropora cervicornis), die Dornenkronenkoralle (Seriatopora hystrix) und die wegen ihrer lila Färbung umgangssprachlich oft „Milka“ genannte Stylophora pistillata ab. So gingen die Populationen dieser drei Arten jeweils um mehr als 75 Prozent zurück. „Das Korallensterben hat an hunderten Einzelriffen zu radikalen Veränderungen der Artenzusammensetzung geführt“, berichtet Hughes Kollege Andrew Baird. „Dort sind einst vielfältige Riffgemeinschaften zu degradierten Systemen geworden, in denen nur einige wenige, robuste Spezies verbleiben.“

Wie steht es nun um die Zukunft des Great Barrier Reefs? Die Wissenschaftler betonen, dass eine vollständige Erholung eher unwahrscheinlich ist. Denn bis neue Korallen den Verlust der toten ausgleichen können, dauert es mindestens zehn Jahre – das gilt selbst für die vergleichsweise schnell wachsenden Arten. Hinzu kommt: Viele Korallen, die bisher überlebt haben, sterben nun nach und nach ebenfalls ab. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Riff 2017 eine weitere Bleiche erlebt hat. Die Hoffnung auf eine Rettung des einzigartigen Naturwunders wollen Hughes und seine Kollegen dennoch nicht aufgeben: „Es sind immer noch eine Milliarde Korallen oder so am Leben“, konstatiert Mitautor Mark Eakin von der US National Oceanic and Atmospheric Administration in College Park. „Wir müssen uns dringend darauf konzentrieren, diese Überlebenden zu retten.“ „Das Great Barrier Reef ist definitiv bedroht, aber nicht dem Untergang geweiht – wenn wir schnell etwas gegen den Klimawandel unternehmen“, schließt Hughes.

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Quelle: Terry Hughes (James Cook University, Townsville) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-018-0041-2

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