Schlossknacker öffnen Milzbrand-Giften das Tor in die Zellen - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Schlossknacker öffnen Milzbrand-Giften das Tor in die Zellen

John Young vom McArdle Zentrum für Krebsforschung in Wisconsin hat den Rezeptor entdeckt, mit dessen Hilfe die Giftstoffe der Milzbranderreger in die Körperzellen eindringen. Robert Liddington vom Burnham Institut in Kalifornien hat indessen die Struktur des so genannten „letalen Faktors“ ermittelt, der die Abwehrzellen des Immunsystems außer Gefecht setzt. Die Studien wurden gestern in London auf einer Pressekonferenz der Fachzeitschrift Nature vorgestellt.

Das Gift der Milzbranderreger besteht aus drei Komponenten. Das „protektive Antigen“ (PA) ist der „Schlüssel“, mit dem Giftstoffe ins Innere der Körperzellen eindringen. Der „Ödemfaktor“ (OF) sabotiert die Abwehrmechanismen des Körpers. Der „letale Faktor“ (LF) eliminiert die Makrophagen, die großen Fresszellen des Immunsystems.

John Young und seine Kollegen haben nun den körpereigenen Milzbrand-Rezeptor identifiziert, mit dessen Hilfe der letale Faktor und der Ödemfaktor in die Zellen eindringen. Wie Young berichtet, kuppelt sich das protektive Antigen an diesen Rezeptor auf der Zelloberfläche und verschafft den eigentlichen Giftstoffen Einlaß. Weitere Laborstudien ergaben, dass eine frei schwimmende Version des Rezeptors Zellen vor den Giftstoffen der Milzbranderreger schützt. Das protektive Antigen verbindet sich mit dieser wasserlöslichen Version des Milzbrand-Rezeptors. Die Giftstoffe werden dadurch von der Zelloberfläche fern gehalten.

In einer weiteren Studie entschlüsselte das Team um Robert Liddington den Aufbau des letalen Faktors. Die molekularen Einzelheiten der Struktur ermöglichen Rückschlüsse auf Funktion und Evolution dieses Giftes. Beide Studien eröffnen neue Ansätze für die Behandlung von Milzbrand, erklärten die Wissenschaftler.

Adam Bostanci
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