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Umwelt+Natur

Schönheit schützt vor Strahlen nicht

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Gelbe Pirol-Männchen gehören zu den Vogelarten, die besonders anfällig für radioaktive Strahlen sind. Foto: Dixi, Wikipedia
Hell gefiederte Vögel leiden stärker als andere unter den Folgen des Reaktorunfalls in Tschernobyl. Amerikanische Wissenschaftler führen dies auf einen Mehrbedarf an Antioxidantien zurück: Rote, gelbe und orangefarbige Vögel bauen die Radikalfänger als Farbstoffe in ihr Federkleid ein, anstelle sie im Kampf gegen die Folgen radioaktiver Strahlung zu nutzen, so ihre These.

Insgesamt untersuchten die Wissenschaftler fast sechzig verschiedene Vogelarten. Dabei zeigten sich nicht nur farbige Vögel besonders empfindlich gegenüber der Radioaktivität, sondern auch Arten, die verhältnismäßig große Eier legen, lange Entfernungen zurücklegen oder weit verstreut leben. Dazu zählen unter anderem Zugvögel wie die Wachtel oder der Wiedehopf.

Die anfälligeren Arten haben eines gemeinsam, stellten die Forscher fest: Sie sind auf eine besonders gute Versorgung mit Antioxidantien angewiesen. So werden rote, gelbe und orangefarbige Pigmente aus so genannten Carotinoiden gebildet, die im Körper als starke Antioxidantien wirken. Aber auch für die Eiproduktion und das Wechseln ihres Lebensraums benötigen Vögel diese Radikalfänger. Dabei gilt: Je größer die Eier oder je weiter die zurückgelegten Entfernungen, desto mehr Antioxidantien verbrauchen die Vögel. Entsprechend weniger davon bleiben übrig, um die Zellen vor freien Radikalen zu schützen.

Ungebundene und reaktionsreudige Radikale entstehen im Körper zum Beispiel durch radioaktive Strahlen. Doch obwohl oxidativer Stress alle Lebewesen gleichermaßen schädigen kann, gebe es Arten, die aufgrund ihres Antioxidantienbedarfs besonders stark unter den negativen Folgen der Radioaktivität leiden, fassen die Autoren ihre Beobachtungen zusammen. Ihrer Ansicht nach könnten die Ergebnisse bei Vorhersagen helfen, wie sich die auch natürlich vorkommende Radioaktivität auf andere Tiere und in anderen Regionen auswirkt. Doppelt benachteiligt scheint der Pirol zu sein: Nicht nur, dass er jeden Winter gen Süden zieht. Die Männchen haben darüber hinaus auch einen grellgelben Rumpf.

Anders Møller ( Université Pierre et Marie Curie) und Timothy Mousseau ( University of South Carolina): Journal of Applied Ecology, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1111/j.1365-2664.2007.01353.x ddp/wissenschaft.de ? Larissa Kessner
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