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Schon zwanzig Minuten Klavierspiel verändert die Hirnfunktionen

Wer als Erwachsener das erste Mal in seinem Leben in die Klaviertastatur greift, verändert schon nach wenigen Minuten Übung die elektrischen Verbindungen in seinem Gehirn. Es entsteht ein auf der Kopfhaut messbarer Zusammenschluss zwischen den Bewegungs- und Hörarealen der Hirnoberfläche, berichten Forscher im Magazin BMC Neuroscience (Ausgabe vom 15. Oktober).

Für Pianisten ist eine enge Verbindung zwischen den Hörarealen und den Bewegungszentren im Gehirn typisch. Hirnscans haben gezeigt, dass bei professionellen Klavierspielern schon das lautlosen Spielen von Tasten den Stoffwechsel in Hörregionen ankurbelt und umgekehrt das Hören von Melodien motorische Zentren des Gehirns aktiviert. Von einigen Klavierspielern wird sogar erzählt, dass sich bei ihnen die Finger wie von selbst bewegen, wenn bestimmte Melodien erklingen, was eine besonders innige Verbindung zwischen Motorischer Rinde und Hörrinde des Großhirns vermuten lässt.

Der Wissenschaftler Eckart Altenmüller vom Institut für Musikphysiologie und Musiker-Medizin in Hannover wollte zusammen mit seinem Kollegen Marc Bangert von der Harvard Medical School in Boston wissen, wie schnell bei Klavier-Neulingen eine entsprechende Verbindung entsteht. Sie gaben dazu Anfängern zehn Mal zwanzig Minuten Klavierunterricht. Allerdings bekamen die Neulinge weder Noten zu sehen noch durften sie ihre Hände beim Spielen auf einem elektrischen Piano beobachten. Sie sollten lediglich Musikstücke anhören und versuchen, die Melodien durch ihr Fingerspiel zu wiederholen. Auf die Weise wollten die Forscher sicherstellen, dass im Gehirn der Testpersonen neben den Hör- und Bewegungs-Zentren keine weiteren Areale bei der Bewältigung der Aufgabe halfen.

Nach der ersten, fünften und zehnten Unterrichtsstunde maßen die Forscher mit Elektroden auf der Kopfoberfläche, welche Hirnareale aktiv wurden, wenn die Klavierschüler entweder ein Musikstück hörten oder nur still Tasten drückten. Die Forscher fanden, dass bei den Klaviernovizen schon nach der ersten Übungssitzung ähnlich wie bei professionellen Pianisten das Hören von Melodien auch Bewegungsareale aktivierte und umgekehrt das stille Drücken von Tasten die elektrische Aktivität in Hörarealen steigerte. Der Effekt verstärkte sich mit der Anzahl der Klavierstunden.

Interessant fanden Altenmüller und Bangert zudem, dass bei den Testpersonen eine Hörregion im rechten Gehirn aktiv wurde, die dem Broca-Areal auf der linken Kopfseite entspricht. Das Broca-Areal spielt eine zentrale Rolle beim Begreifen von Sprache. Sein Pendant auf der rechten Hirnhälfte scheint eine ähnlich wichtige Rolle beim Verstehen von Musik zu spielen.

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ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek
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