Schul-Mobbing mit gesundheitlichen Langzeitfolgen - wissenschaft.de
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Schul-Mobbing mit gesundheitlichen Langzeitfolgen

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Credit: Thinkstock
Von unbeschwerter Jugend keine Spur – für manche Kinder und Jugendliche ist die Schulzeit ein Spießrutenlauf: Sie sind regelmäßig Opfer von gemeinen Späßen, systematischer Ausgrenzung und Erniedrigung. Das Mobbing kränkt Seele und Gesundheit der Betroffenen, haben Untersuchungen bereits belegt. Nun legen Ergebnisse von US-Forschern nahe, dass der Psychoterror auch langanhaltende Negativeffekte auf die körperliche Gesundheit hat: Noch im Erwachsenenalter besitzen ehemalige Opfer erhöhte Werte bestimmter Enzündungsmarker im Blut. Bei den Tätern ist es hingegen umgekehrt: Mobben scheint sich positiv auf ihre Gesundheit auszuwirken, berichten die Forscher.

Früheren Studien zufolge leiden Kinder, die in der Schule dem Psychoterror von Mitschülern ausgesetzt sind häufig auch körperlich: Sie sind verstärkt krankheitsanfällig und schmerzempfindlich. Es scheint kaum überraschend, dass Mobbing bleibende Schäden an der Psyche von Menschen verursacht, doch den aktuellen Ergebnissen der Forscher um William Copeland von der Duke University in Durham zufolge scheint auch die körperliche Gesundheit langfristig betroffen zu sein.

Die Forscher sind dem Zusammenhang durch Auswertungen von Daten einer umfangreichen Langzeitstudie nachgegangen. 1.420 jungen Menschen waren über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg in ihrer Kindheit, Jugend und im jungen Erwachsenenalter regelmäßig zu ihren Erfahrungen mit Mobbing befragt worden. Auf diese Weise erfassten die Forscher, bei welchen es sich um Opfer, Mobber oder um Personen handelte, die keine Erfahrungen mit dieser Problematik gemacht haben. Parallel dazu wurden den Studienteilnehmern Blutproben entnommen, welche die Forscher auf den Gehalt an C-reaktiven Proteinen (CRP) untersuchten. Es handelt sich dabei um einen Marker, der Hinweise auf unterschwellige Entzündungsprozesse im Körper gibt. Er ist beispielsweise mit dem Risiko für Herzkreislauferkrankungen und Stoffwechselstörungen verknüpft.

Saure Botschaft: Wer mobbt profitiert

Die Datenauswertungen ergaben: Probanden, die in Kindheit und Jugend den Schikanen ausgesetzt waren, wiesen sowohl während der akuten Mobbing-Zeit als auch noch Jahre Später die höchsten CRP-Werte auf. Dieser Zusammenhang war den Forschern zufolge dosisabhängig: Je mehr Mobbing sie erfahren hatten, desto mehr CRP fand sich in ihrem Blut. Personen, die sich bei den Befragungen als Opfer und als gelegentliche Täter offenbart hatten, besaßen ein CRP-Niveau, das mit dem von Studienteilnehmern vergleichbar war, die keine Erfahrungen mit Mobbing gemacht hatten. Was die typischen Täter betrifft, kamen die Forscher hingegen zu einem Ergebnis mit saurem Beigeschmack: Mobber besitzen auch noch im Erwachsenenalter die vergleichsweise geringsten CRP-Konzentrationen im Blut – sie sind durchschnittlich nur halb so hoch wie bei den Opfern.

Die Studienergebnisse legen nahe, dass Mobbing, je nachdem ob es sich um Opfer oder Täter handelt, zu negativen oder positiven Langzeiteffekten auf die CRP-Werte führen kann. Den Forschern zufolge könnte der positive Effekt daran liegen, dass Mobber ihren gesellschaftlichen Status durch das Dominanz-Verhalten erhöhen, was bekanntermaßen zu positiven Effekten für die Gesundheit führt. „Es scheint, dass eine Steigerung des sozialen Status auch biologische Vorteile mit sich bringt“, sagt Copeland. „Doch es gibt natürlich andere Möglichkeiten für Kinder, soziale Erfolgserlebnisse zu erreichen als Mitschüler zu piesacken“, betont er. Für die langfristige körperliche und geistige Gesundheit von Menschen sei es deshalb sehr wichtig, Mobbing bestmöglich zu verhindern – von Anfang an, sagen die Forscher.

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Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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