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Schwarze Witwen ausgetrickst

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Schwarze Witwen töten ihre Partner oft nach der Kopulation - aber einige Männchen verhindern dies mit einem Trick (Foto: Mark Kostich/iStock)
Die Schwarze Witwe ist doppelt berüchtigt: Sie ist für uns giftig und für Männchen ihrer Spezies endet die Paarung sehr häufig tödlich. Doch wie Beobachtungen enthüllen, haben die Spinnenmännchen einen raffinierten, wenn auch rabiaten Trick entwickelt, um dem Kannibalismus zu entgehen: Sie suchen sich gezielt unreife Weibchen kurz vor der letzten Häutung und begatten sie. Dabei werden sie nicht getötet und können sich daher später sogar noch mit weiteren Weibchen paaren.

Die Schwarzen Witwen sind für ihren Sexualkannibalismus bekannt: Will sich ein Männchen mit einem Weibchen paaren, muss es damit rechnen, die Kopulation nicht zu überleben. Um doch noch davonzukommen, haben die Männchen verschiedene Techniken entwickelt: Beruhigende Vibrationen am Netz der Angebeteten oder ein hübsch verpacktes Brautgeschenk können die Spinnenweibchen manchmal lange genug besänftigen, um dem Männchen Zeit für die Flucht zu geben. Bei einigen Arten greifen die Männchen zudem zu rabiaten Mitteln, um wenigstens ihren Spermien postum zum Erfolg zu verhelfen: Sie verstopfen die Genitalöffnung der Weibchen nach der Kopulation mit einem klebrigen Sekret oder brechen sogar absichtlich einen Teil ihres Paarungsorgans ab, um die Öffnung zu versperren. Das verhindert, dass andere Spinnenmännchen bei weiteren Paarungen ihr Sperma hinterlassen – und steigert so ihren Fortpflanzungserfolg. Im Gegenzug allerdings verstümmeln sich die Männchen selbst so stark, dass für sie jede weitere Paarung unmöglich wird, selbst wenn sie überleben sollten.

Öffnung freigeknabbert

Doch wie sich jetzt zeigt, umgehen die Männchen einiger Arten der Schwarzen Witwen dieses Dilemma mit einer raffinierten Strategie.  Entdeckt haben dies Daniela Biaggio von der University of Toronto und ihre Kollegen bei Beobachtungen der beiden Witwenarten Braune Witwe (Latrodectus geometricus) und Rotrückenspinne (Latrodectus hasselti). Bei beiden Arten hatten Biologen häufiger beobachtet, dass sich ein Männchen an einem unreifen Weibchen zu schaffen machte, es schien sich sogar mit ihm zu paaren. Um das zu überprüfen, führten die Forscher Versuche mit eingefangenen und im Labor großgezogenen Spinnen durch. Dabei setzen sie Männchen zu Weibchen des letzten Jugendstadiums und schauten, was passiert.

Dabei zeigte sich Erstaunliches: Sobald die unreifen Witwen zwei bis vier Tage vor ihrer letzten Häutung waren, wurden die Spinnenmännchen aktiv. Sie näherten sich den Weibchen und begannen, an ihrem noch weichen Panzer zu knabbern. „Die Männchen öffneten dabei die Kutikula des Weibchens mit ihren Scheren und machten so die noch verdeckten Genitalöffnungen zugänglich“, berichten Baggio und ihre Kollegen. Dann kopulierten die Männchen mit den junge Weibchen – jedoch ohne den Tod fürchten zu müssen: „Bei diesen Paarungen mit unreifen Weibchen war sexueller Kannibalismus sehr selten“, berichten die Forscher. Für die Männchen sei diese Strategie daher auf zweifache Weise vorteilhaft: Zum einen sichern sie sich bei diesem Weibchen den Fortpflanzungserfolg, weil die Spermien der allerersten Paarung gewöhnlich den größten Anteil am Nachwuchs bekommen. Zum anderen aber können die Spinnenmännchen später noch mit einem weiteren Weibchen kopulieren, weil sie die Paarung überleben. Auch das erhöht damit ihren Fortpflanzungserfolg.

Diese raffinierte Taktik der Spinnenmännchen scheint im Freiland durchaus häufig zu sein: „Unsere Daten zeigen, dass immerhin ein Drittel aller Männchen der Rotrückenspinne diese alternative Strategie nutzen und sich mit unreifen Weibchen paaren“, berichten die Forscher. Auch bei der Braunen Witwe gebe es häufig Berichte solcher Paarungen. Doch diese Strategie hat auch ihre Tücken: Versucht sich ein Männchen mit einer Witwe zu paaren, die nicht kurz vor der Häutung steht, sondern jünger ist, dann wird es gefährlich. Denn diese Weibchen wehren sich heftig und töten das übergriffige Männchen. Der Spinnenmann muss daher sehr genau aufpassen, um das enge Zeitfenster zwei bis vier Tage vor der letzten Häutung abzupassen. Diese Schwierigkeit könnte erklären, warum nicht längst alle männlichen Witwenspinnen diese Strategie nutzen, so die Forscher.

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Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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