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Schwere Herzen schlagen schnell

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Menschen in Trauer brauchen oft auch gesundheitliche Hilfe. Bild Kurt Michel / pixelio.de
Der Tod eines nahen Angehörigen – etwa eines Kindes oder Ehepartners – schlägt den Hinterbliebenen buchstäblich aufs Herz: Noch eine geraume Zeit nach dem Verlust ist ihr Herzschlag messbar erhöht. Das haben australische Wissenschaftler herausgefunden. Die Mediziner untersuchten 78 Personen sowohl zwei Wochen als auch sechs Monate nach einem solchen Schicksalsschlag. Ergebnis: In der Frühphase schlugen die Herzen der Hinterbliebenen im Durchschnitt etwa 75 Mal pro Minute, ein Anstieg um fünf Schläge im Vergleich zur Kontrollgruppe. Nach sechs Monaten erreichte der Herzschlag jedoch wieder seine Normalwerte. Fazit der Forscher: Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem Verlust eines geliebten Menschen und veränderten Herzfunktionen – und damit einem erhöhten Herzinfarktrisiko. Daraus ergebe sich die Empfehlung für Betroffene, während der Trauerzeit intensiver auf ihr Herz zu achten und Vorsorge zu betreiben, berichtete Studienleiter Thomas Buckley von der University of Sydney auf einem Treffen der American Heart Association in Chicago.

Mediziner hatten in verschiedenen Studien bereits festgestellt: Herzinfarkte und plötzlicher Herztod treten bei Hinterbliebenen nach dem Tod eines Angehörigen deutlich häufiger auf als im Durchschnitt. Die genauen Ursachen für dieses erhöhte Risiko im Zusammenhang mit dem Verlust eines geliebten Menschen waren bislang allerdings noch nicht erforscht. Ebenfalls unbekannt war, ob sich dieses Risiko mit der Zeit wieder verringert. Nun hat das Forscherteam um Thomas Buckley in seiner Studie die Herzdaten von 78 Hinterbliebenen im Alter von 33 bis 91 Jahren untersucht und sie mit den Werten von Freiwilligen, die zuvor keine geliebte Person verloren hatten, verglichen. Für die Analyse verwendeten die Wissenschaftler 24-Stunden-Herzfrequenzmessgeräte. Neben der Anzahl der Herzschläge pro Minute prüften sie auch die Anfälligkeit der Probanden für Angstattacken und klinische Depressionen.

Die Auswertung ergab: Hinterbliebene hatten zwei Wochen nach dem Schicksalsschlag im Vergleich zur Kontrollgruppe fast doppelt so häufig Phasen mit einem sehr schnellem Herzschlag von mehr als 100 Schlägen pro Minute. Ihr Durchschnittspuls war ebenfalls erhöht: Er betrug bei den Trauernden 75,1 Schläge pro Minute und in der Vergleichsgruppe 70,7 . Bei weiteren Untersuchungen nach sechs Monaten hatten sich die Werte dagegen wieder normalisiert. Auch die Häufigkeit von Angstattacken und klinischen Depressionen war bei den Menschen, die Kind oder Ehegatten verloren hatten, zunächst deutlich erhöht. Dieser Unterschied verringerte sich nach sechs Monaten zwar ebenfalls wieder, blieb jedoch deutlich höher als bei denen, die keinen Verlust erlitten hatten.

Aus den Ergebnissen der Studie ergeben sich nach Ansicht der Wissenschaftler Hinweise darauf, dass Herzprobleme durch psychologische Umstände ausgelöst werden können. „Das Risiko, während dieser oft belastenden Zeit beispielsweise einen Herzinfarkt zu erleiden, ist deutlich erhöht“, mahnte Buckley. Weitere Untersuchungen des genauen Zusammenhangs besäßen seiner Ansicht nach das Potenzial, in Zukunft die Basis für effektivere Vorsorgemaßnahmen zu werden.

Thomas Buckley (University of Sydney Nursing School, Sydney, Australien) et al.: American Heart Association’s Scientific Sessions 2010 dapd/wissenschaft.de ? David Köndgen
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