Schwerstarbeit für schöne Töne - wissenschaft.de
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Schwerstarbeit für schöne Töne

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Die Schwangerschaft macht viele anstrengender - auch das Singen.
Während der Schwangerschaft wird nicht nur das Bücken beschwerlicher, sondern auch das Singen: Um den gleichen Ton zu erzeugen, müssen Schwangere mehr Druck in der Lunge aufbauen als nicht schwangere Frauen. Das hat ein portugiesisch-schwedisches Forscherduo bei der Zusammenarbeit mit einer schwangeren Sängerin entdeckt, die wöchentlich Kostproben ihrer Stimme ablieferte. Hinter dem Effekt steckt wahrscheinlich der veränderte Hormonspiegel während der Schwangerschaft: Er sorgt nach Ansicht der Wissenschaftler dafür, dass das Gewebe rund um die Stimmfalten im Kehlkopf weicher wird und so die Tonerzeugung verändert. „Es scheint so, dass Singen während der Schwangerschaft richtig harte Arbeit ist“, berichtete Studienleiterin Filipa Lã auf einer Konferenz.

Berichte darüber, dass eine Schwangerschaft auf die Stimme schlägt, gibt es immer wieder ? wissenschaftlich geplante und überwachte Studien sind hingegen Mangelware. Klar ist jedoch: Hormonveränderungen können sowohl die Gewebebeschaffenheit in verschiedenen Körperregionen verändern als auch die Stimme beeinflussen. Eindrucksvollstes Beispiel ist der Stimmbruch in der Pubertät, bei dem eine veränderte Hormonproduktion den gesamten Klang der Stimme verändert.

Zwar können auch Lã und ihr schwedischer Kollege Johan Sundberg keine klassische Studie vorweisen ? schließlich haben sie lediglich eine einzige Frau während der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes beobachtet. Dabei waren sie jedoch sehr sorgfältig: Ab der 28. Schwangerschaftswoche zeichneten sie fast ein halbes Jahr lang jede Woche eine Sprechprobe, ein gesungenes Lied und einige Stimmübungen der ausgebildeten Sopranisitn auf. Parallel dazu überwachten sie den Hormonspiegel der Frau. Das Ergebnis: Steigende Hormonlevel gingen tatsächlich mit einer Veränderung der Stimmbänder einher ? und die wiederum sorgte dafür, dass die Sängerin mehr Druck in der Lunge erzeugen musste, um die Bänder zum Schwingen zu bringen.

Was auf den ersten Blick vielleicht wie eine nette Anekdote aus der Wissenschaft klingt, kann für professionelle Sängerinnen ernsthafte Konsequenzen haben, betonten Lã und Sundberg: Der Effekt mache nicht nur beispielsweise ein Konzert oder einen Auftritt sehr viel anstrengender für die werdende Mutter, als sie es gewohnt sei. Es sei auch nicht unwahrscheinlich, dass die Veränderung die Stimmbänder empfindlicher macht und damit anfälliger für Schädigungen. Schwangere Sängerinnen sollten daher vielleicht ähnlich wie verletzte Sportler eine Zeitlang aussetzen, um ihre Stimme nicht zu gefährden, regen die Wissenschaftler an.

Filipa Lã (Universität Aveiro), Johan Sundberg (KTH Stockholm): Beitrag auf einer Konferenz der Akustischen Gesellschaft von Amerika, San Antonio ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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