Selbstmitleid ist besser als sein Ruf - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Selbstmitleid ist besser als sein Ruf

Wer Mitleid mit sich selbst hat, kann mit negativen Erlebnissen besser umgehen als jemand mit großem Selbstbewusstsein. Das hat der amerikanische Psychologe Mark Leary von der Wake Forest University in Winston-Salem (USA) in drei Tests nachgewiesen. Selbstmitleid heiße nämlich, sich selbst wie einen Freund in derselben Lage, also freundlich zu behandeln, erklärte Leary auf einer Konferenz. Selbstbewusstsein bedeute dagegen nur, ein gutes Gefühl sich selbst gegenüber zu haben.

Im ersten Test konfrontierte der Forscher Studenten mit imaginären negativen Situationen wie einer vermasselten Prüfung oder einem verlorenen sportlichen Wettstreit. In jedem Fall handelte es sich um ein soziales Erlebnis. Studenten mit einer Neigung zu Selbstmitleid äußerten dabei eher Sätze wie „Jeder macht mal einen Fehler“. Wer dagegen eigentlich sehr viel Vertrauen in sich selbst hatte, antwortete mit Gedanken wie „Ich bin echt ein Verlierer“ oder „Ich wünschte, ich könnte sterben“.

Auch im zweiten Test schnitten selbstmitleidige Studenten besser ab, als es darum ging, auf wenig schmeichelhafte Kommentare zur eigenen Person zu reagieren. Sie wirkten weniger ärgerlich und fühlten sich insgesamt zufriedener. Möglicherweise hilft das Selbstmitleid, negative Erlebnisse etwas abzupuffern und positive Gefühle zu erzeugen, erklärt Leary. Menschen mit starkem Selbstwertgefühl neigen dagegen eher dazu, sich zu verteidigen und Ansprüche zu erheben. Eine dritte Studie bewies, dass Selbstmitleid auch erlernbar ist. Leary ließ dazu seine Versuchspersonen eine Art Brief an sich selbst schreiben, genauso, wie sie ihn an einen Freund mit denselben negativen Erlebnissen geschrieben hätten.

Bislang herrschte die Meinung vor, dass vor allem ein starkes Selbstwertgefühl wichtig sei, wenn es darum geht, Niederlagen oder Fehler zu verarbeiten. Learys Studien zeigen nun, dass Menschen, die statt zu großem Selbstbewusstsein zu Selbstmitleid neigen, negative Erlebnisse oft anders und vor allem besser bewältigen.

Ein weiterer unerwarteter Nebeneffekt sei zudem, betont Leary, dass Menschen mit starkem Selbstmitleid offenbar mehr Verantwortung für ihre eigenen Fehler übernehmen. Der Wissenschaftler ist daher überzeugt, dass Selbstmitleid insgesamt und gerade für Leute mit geringem Selbstvertrauen nur vorteilhaft ist.

Anzeige

Mark Leary ( Wake Forest University, Winston-Salem): Konferenzbeitrag beim Jahrestreffen der Amerikanischen Psychologischen Vereinigung, Washington

ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Zünd|schlüs|sel  〈m. 5; Kfz〉 Schlüssel zum Einschalten der Zündung

Il|me|nit  〈m. 1; Min.〉 schwarzbraunes Eisentitanoxid, Mineral; Sy Titaneisen ... mehr

Amom  〈n. 11; Bot.〉 südostasiatische Gewürzpflanze; oV Amomum ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige