Selbstmörder-Molekül lindert Gelenkschmerz - wissenschaft.de
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Selbstmörder-Molekül lindert Gelenkschmerz

Ein im Labor hergestelltes „Selbstmörder-Molekül“ dürfte in Zukunft Menschen mit Gelenkrheumatismus helfen: US-Forschern haben jetzt ein Molekül nachgebaut, das unentdeckt in wuchernde Immunzellen eindringt, die für die schmerzhafte Krankheit verantwortlich sind. Von innen heraus zerstört das Molekül die hyperaktive Zelle und anschließend auch sich selbst. Auf diese Weise kann die suizidal angelegte Atomverbindung Gelenkrheumatismus stoppen oder sogar rückgängig machen, haben die Wissenschaftler in Versuchen mit Mäusen herausgefunden. Für den Einsatz von besonderer Bedeutung ist das Faktum, dass der Zellen-Zerstörungsprozess keine toxischen Nebeneffekte hervorruft: Bisherige Therapiemethoden sind in dieser Hinsicht alle höchst problematisch, schreiben die Wissenschaftler.

Gesunde Immunzellen sterben normalerweise ab, nachdem sie ein Virus oder ein Bakterium attackiert haben. Bei Gelenkrheumatismus leben die Fresszellen des Immunsystems jedoch weiter und werden zu fiesen Übeltätern: Sie wuchern im Blut und lagern sich im Gelenk sowie in Knorpeln und Knochen ein. Die Wissenschaftler um Harris Perlman von der Feinberg School of Medicine in Chicago entdeckten nun, dass hyperaktive Immunzellen über sehr wenige sogenannter Bim-Moleküle verfügen. Diese sind für das richtige Arbeiten der Fresszellen aber sehr wichtig: Sie lösen, nach einer erfolgreichen Attacke gegen Eindringlinge den Selbstzerstörungsmechanismus in der Zelle aus. Um den Mangel an Bim-Molekülen zu beheben, haben die Forscher die selbstmörderische Atomverbindung nachgebaut.

In einem Versuch überprüften die Forscher die Wirkung des neu entwickelten Wirkstoffs. Sie injizierten die Moleküle Mäusen, die an Gelenkrheumatismus erkrankt waren. Ihre Annahme bestätigte sich: Die Atomverbindungen infiltrierten die Immunzellen und zerstörten die kranken Zellen von innen. Bei 75 Prozent der behandelten Tiere konnte die Krankheit auf diese Weise gestoppt werden. Die Gelenkschwellungen bildeten sich zurück und sogar die Zersetzung der Knochen verringerte sich.

Bis heute wird Gelenkrheumatismus häufig mit einer Hormon- oder einer schwach dosierten Chemotherapie behandelt. Dieser Therapieansatz wirkt jedoch nicht in allen Fällen und wird häufig von Nebenwirkungen begleitet. Eine neuere Behandlungsmethode, die ergänzend angewandt wird, ist die Biologic-Response-Modifiers Therapie. Dabei werden Proteine an die rheumatischen Gelenken geschleust, um die Entzündung zu bekämpfen, die von wuchernden Fresszellen ausgelöst wurde. Aber auch dieser Ansatz wirkt nicht bei jeder erkrankten Person und kann außerdem unangenehme Entzündungen hervorrufen. Das jetzt neu nachgebaute Molekül birgt ein riesiges Potenzial, weil es keine toxischen Nebenwirkungen aufweist, schreiben die Forscher. Damit könnten nun effektive Medikamente gegen Gelenkrheumatismus entwickelt werden.

Harris Perlman (Feinberg School of Medicine, Chicago) Arthritis & Rheumatism Bd. 62, Nr. 2 ddp/wissenschaft.de ? Regula Brassel
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