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Seufzen für den richtigen Rhythmus

Seufzen hilft Babys, einen regelmäßigen Atemrhythmus zu entwickeln. Die ungewöhnlich tiefen Atemzüge dienen dem Atemkontrollzentrum im Gehirn als eine Art Reset-Schalter, der den Rhythmus unterbricht, wenn die Atemzüge zu langsam und gleichförmig werden. So entsteht auf Dauer ein stabiler Atemrhythmus, der aber variabel genug ist, um kurzfristig auf Veränderungen im Sauerstoffbedarf reagieren zu können. Das berichtet ein internationales Forscherteam um David Baldwin vom Universitätsspital in Bern in der Fachzeitschrift Journal of Applied Physiology (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1152/japplphysiol.00298.2004).

Alle 50 bis 100 Atemzüge machen Babys einen tiefen Seufzer. Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass diese Seufzer ausschließlich dazu dienen, die mechanischen Eigenschaften des kindlichen Lungengewebes zu verbessern. Das tiefe Einatmen hilft beispielsweise dabei, die kleinen Luftwege offen zu halten und das noch recht steife Gewebe elastischer zu machen. So wird die Lungenfunktion auf Dauer verbessert.

Baldwin und sein Team entdeckten jetzt jedoch, dass die Seufzer zusätzlich eine Kontrollfunktion besitzen. Die Forscher untersuchten bei 25 schlafenden Kindern im Alter von etwa einem Monat das Luftvolumen, das die Kleinen mit jedem Atemzug aufnahmen, die Herzfrequenz und den Sauerstoffgehalt des Bluts. Vor einem Seufzer wurden die Atemzüge der Kinder immer langsamer und regelmäßiger, beobachteten die Wissenschaftler. Nach dem Seufzer war der Atemrhythmus dagegen deutlich unregelmäßiger. Eine solche Variabilität ist nach Ansicht der Forscher sehr wichtig, da zu regelmäßige Atemzüge den Körper nicht in allen Situationen mit ausreichend Sauerstoff versorgen können.

Bei Kindern, die am plötzlichen Kindstod sterben, ist die Regulation des Atemrhythmus gestört. Die genaue Aufklärung der Mechanismen, die den Rhythmus kontrollieren, könnte demnach dabei helfen, gefährdete Säuglinge früher zu erkennen. Baldwin und seine Kollegen wollen daher als nächstes untersuchen, ob es einen Zusammenhang zwischen der mechanischen und der kontrollierenden Funktion des Seufzens gibt.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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