Anzeige
Anzeige

Gesundheit+Medizin Umwelt+Natur

Sind Männer und Frauen anders verdrahtet?

13-12-02 Hirn.jpg
Konnektivität des Gehirns bei Männern (oben) und bei Frauen (unten). Intra-hemisphärische Verknüpfungen sind blau dargestellt und inter-hemisphärische orange dargestellt. Credit: PNAS
Weibchen und Männchen – bei vielen Lebewesen lassen sich diese beiden Versionen äußerlich deutlich unterscheiden. Dieser sogenannte Geschlechtsdimorphismus spiegelt sich meist auch im Verhalten oder besonderen Fähigkeiten wider. Das scheint beim Menschen ebenfalls der Fall zu sein, wie Studien bereits gezeigt haben. Um den strukturellen Ursachen dieser Unterschiede nachzugehen, haben Forscher nun die Verbindungen von Bereichen im Gehirn von Männern und Frauen analysiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Verdrahtungen innerhalb und zwischen den beiden Hirnhälften bei den Geschlechtern unterschiedlich sind. Dies könnte die Grundlage von Begabungen beziehungsweise Fähigkeiten sein, die bereits als eher weiblich oder männlich gelten.

 

Bei den Charaktereigenschaften und Begabungen des Menschen gibt es natürlich eine enorme Bandbreite, die nicht fest an das Geschlecht gebunden ist. Dennoch scheint es aber Tendenzen zu geben: Studien haben beispielsweise gezeigt, dass Männer durchschnittlich etwas mehr räumliches Vorstellungsvermögen besitzen, wohingegen Frauen eher bei sozialen Fähigkeiten punkten. Strukturelle Untersuchungen legen ebenfalls nahe, dass bestimmte Hirnbereiche bei Frauen und Männern unterschiedlich stark entwickelt sind. Die Forscher um Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania in Philadelphia sind nun der Frage nachgegangen, welche geschlechtsspezifischen Unterschiede es im Netzwerk des Gehirns gibt.

 

Möglich wurde dies durch eine Technik, die sich Diffusions-Tensor-Bildgebung nennt. Dieses bildgebende Verfahren kann die Diffusionsbewegung von Wassermolekülen in Körpergeweben mittels Magnetresonanztomografie erfassen, ohne dass dafür Eingriffe oder die Einnahme von Kontrastmitteln nötig sind. Die so gewonnenen Informationen lassen Rückschlüsse auf den Verlauf und die Verbindungen von Nerven im Gehirn zu. Ingalhalikar und seine Kollegen haben dieses Verfahren bei insgesamt 949 weiblichen und männlichen Probanden im Alter von 8 bis 22 Jahren durchgeführt. So konnten sie Modelle des Netzwerkes im Gehirn, des sogenannten Konnektoms, jedes Einzelnen anfertigen und sie untereinander vergleichen.

Anzeige

 

 

In der Pubertät ändern sich die Netzwerke

 

Den Auswertungen der Forscher zufolge sind die Verbindungen zwischen den beiden Hälften des Großhirns bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern. Dafür ist bei den Herren die Vernetzung innerhalb der rechten beziehungsweise linken Großhirnhälfte intensiver. Das Umgekehrte scheint wiederum beim Kleinhirn der Fall zu sein: Hier ist bei den Männern die Vernetzung zwischen den Hemisphären besser, bei den Frauen hingegen innerhalb der beiden Teile. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede fanden die Forscher allerdings nur bei Probanden, die älter als 13 Jahre waren. Vermutlich entsteht der Unterschied also erst im Laufe der Pubertät.

 

Was die Ergebnisse allerdings nun genau bedeuten, bleibt Spekulation. Den Forschern zufolge könnte das Konnektivitäts-Muster Männern Vorteile bei der Umsetzung von Wahrnehmungen in Handlungen verschaffen. Für das eine sind nämlich Regionen im hinteren Hirn-Bereich, für das andere im vorderen zuständig. Die gute Vernetzung innerhalb der Hirnhälften des Großhirns könnte in diesem Zusammenhang einen schnellen Brückenschlag sichern. Bei den Frauen könnten hingegen die Verbindungen zwischen linker und rechter Hemisphäre die Verknüpfung von Information, Intuition und Analytik begünstigen, so eine Vermutung der Forscher.

 

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Pos|til|li|on  〈m. 1〉 1 〈Zool.〉 = Posthörnchen 2 Fahrer der Postkutsche ... mehr

Gelb|wur|zel  〈f. 21; Bot.〉 südasiatisches Ingwergewächs: Curcuma; oV Gelbwurz; ... mehr

Te|ta|nie  〈f. 19〉 durch Muskelkrämpfe in Armen u. Beinen u. Überempfindlichkeit des Nervensystems gekennzeichnete Krankheit [latinisiert <grch. tetanos; ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige