Singvogel veranschaulicht Entstehung neuer Arten - wissenschaft.de
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Singvogel veranschaulicht Entstehung neuer Arten

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Worauf Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, sehnsüchtig wartete, könnte Wissenschaftlern jetzt gelungen sein: Am Beispiel der „grünen Grasmücke“ einem Singvogel wurden sie wahrscheinlich Zeuge, wie sich eine Tierart in zwei neue Arten aufspaltet.

Darren Irwin von der University of California in San Diego und seine Kollegen von der Lund University berichten im Magazin Nature, dass sich die Lieder der Grasmücke ( Phylloscopus trochiloides), die am Fuße des Himalaya Gebirges lebt, durch ihr ganzes Gebiet hindurch schrittweise verändert. So singt die Grasmücke am äußersten Rand ihres Wohngebiets völlig andere Lieder als im Inneren. Beide Formen der Grasmücke gehören zwar der gleichen Art an, doch verhindern die unterschiedlichen Lieder ihre Paarung. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass so eventuell zwei verschiedene Arten entstehen können, ein Prozess der in der Biologie Artenbildung genannt wird.

„Eben dies ist eines der großen Geheimnisse der Evolutionsbiologie, nämlich wie sich eine Art schrittweise in zwei Arten aufspalten kann“, so Irwin. Die Grasmücken sind eine ganz besondere Tierart, „Ringspezies“ genannt. „Ringspezies sind deshalb so einzigartig, weil sie alle nur erdenklichen Variationsmöglichkeiten innerhalb einer Art aufweisen und alle Zwischenschritte zeigen, die bei der Aufspaltung von einer in zwei Arten auftreten. So zeigen sie nicht nur kleine Unterschiede zwischen benachbarten Populationen, sondern haben auch artspezifische Unterschiede in einer einzelnen Gruppe.“

Die Grasmücke lebt in einer kreisförmigen Region rund um das Himalaya Gebirge. Sowohl ihre Verhaltens- als auch ihre genetischen Merkmale sind in diesem Gebiet schrittweisen Veränderungen unterworfen. In Zentralsibierien, der einzigen Stelle an der der Ring unterbrochen ist, leben zwei Formen dieses Singvogels. „Dies ist ein Widerspruch, denn die zwei nebeneinander existierenden Formen des Singvogels können gleichzeitig als zwei Arten und als eine einzige Art bezeichnet werden“, so Irwin.

„Die Gesänge der Himalaya-Grasmücke sind einfach, kurz und mit vielen Wiederholungen. Weiter im Norden, an der Westseite Tibets durch Zentralasien, werden die Lieder immer länger und komplexer“, so Irwin. Die Grasmücke ist der erste bekannte Fall, der alle Schritte aufgezeigt hat, die bei der Aufspaltung eines gemeinsamen Vorfahren in zwei Arten von vonstatten gehen. Darüber hinaus hat die Untersuchung gezeigt, wie kleinste Veränderungen in der Entwicklung zu Unterschieden führen die eine Paarung verhindern, genauso wie Darwin es vermutete.

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Birgit Stöcklhuber

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