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Skurril: Nachtpapagei sieht nachts schlecht

Nachtpapagei
Extrem scheu: der Nachtpapagei Pezoporus occidentalis (Bild: Steve Murphy/ Charles Darwin University)

Der Nachtpapagei (Pezoporus occidentalis) ist extrem selten und kaum erforscht – man weiß nur, dass er nachtaktiv ist und im australischen Outback vorkommt. Jetzt haben Biologen anhand eines tot aufgefundenen Exemplars Überraschendes entdeckt: Trotz seiner nächtlichen Lebensweise sind die Augen dieses Vogels kaum ans Sehen im Dunkeln angepasst. Demnach sieht der Nachtpapagei nachts wahrscheinlich nur verschwommen – was den ohnehin seltenen Vogel in zusätzliche Gefahr bringt.

Weltweit sind nur zwei Papageienarten bekannt, die nachtaktiv sind, einer davon ist der neuseeländische Kakapo, der andere der in Australien heimische Nachtpapagei (Pezoporus occidentalis). Doch von letzterem ist kaum etwas bekannt, weil dieser Vogel nur im trockenen Inneren Australiens vorkommt und so selten ist, dass ihn 100 Jahre lang niemand zu Gesicht bekommen hat. Erst 2013 wurde eine Population dieser Papageien im Südwesten von Queensland entdeckt und erstmals fotografiert.

Keine gute Nachtsicht

„Diese Papageienart ist so scheu, dass wir nicht einmal wissen, wie viele Individuen noch übrig sind“, erklärt Vera Weisbecker von der Flinders University in Adelaide. „Aber um diese Art zu erhalten, ist es entscheidend, ihr Verhalten und ihre Fähigkeiten zu kennen.“ Ein bislang unbekannter Aspekt ist, wie sich diese Vögel nachts zurechtfinden. Um das herauszufinden, haben Weisbecker und ihr Team nun den einzigen intakten Schädel eines tot aufgefundenen Nachtpapageien mittels Mikro-Tomografie näher untersucht. Im Fokus standen dabei vor allem die Augen und die Sehnerven dieser Vögel.

„Nachtpapageien müssen dazu fähig sein, auch nachts Futter zu finden Hindernissen auszuweichen und Räubern zu entkommen“, so Weisbecker. „Wir haben daher erwartet, dass ihr Sehsystem entsprechende Anpassung an das Sehen im Dunkeln zeigt – ähnlich wie bei anderen nachtaktiven Vögeln wie den Eulen oder den Kakapos.“ Doch zur Überraschung der Wissenschaftler wurden sie beim Nachtpapagei in dieser Hinsicht nicht fündig. Der seltene Vogel hat im Gegensatz zu anderen nachtaktiven Vögeln weder größere Augen noch einen dickeren Sehnerv oder vergrößerte optische Areale im Gehirn. Im Gegenteil: Seine Sehorgane sind im Vergleich zu denen eng verwandter tagaktiver Papageienarten sogar eher reduziert, wie die Forscher feststellten.

Zäune als unsichtbares Hindernis

Nach Ansicht von Weisbecker und ihrem Team spricht dies dafür, dass der Nachtpapagei auch im Vergleich zu anderen Papageien ziemlich schlechte Augen hat: „Sein Sehsinn ist zwar lichtempfindlich, aber hat nur eine schwache Auflösung“, berichten die Forscher. „Für die Nachtpapageien ist diese unscharfe Sicht aber normalerweise kein Problem, weil sie in offenen Lebensräumen mit wenig Bäumen leben. Das Risiko, in ein natürliches Hindernis zu fliegen ist daher für sie gering.“ Im weiten, kargen Outback Australiens mit seinem spärlichen Pflanzenbewuchs und den nahezu baumlosen Weiten schadet die verschwommene Sicht dem Nachtpapagei demnach nicht.

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Das Problem jedoch: Der Outback wird nun mehr und mehr von Zäunen durchzogen, die Farmer zur Eingrenzung ihrer Viehweiden aufstellen. Sie könnten für den Nachtpapagei zu gefährlichen Fallen werden. Denn die meist aus dünnem Draht oder sogar Stacheldraht bestehenden Zäune sind in schlechtem Licht oder nachts für ihn kaum sichtbar. Selbst Vögel, die nachts besser sehen, wurden schon häufiger Opfer dieser Hindernisse und tot oder schwer verletzt am Fuß der Zäune gefunden, wie die Wissenschaftler berichten. “

Der Nachtpapagei sieht noch schlechter als diese Vögel und daher könnten Drahtzäune für ihn eine erhebliche Gefahr darstellen“, so Weisbecker und ihre Kollegen. Sie empfehlen daher, Zäune im Outback besser sichtbar zu machen oder stattdessen Elektrozäune mit weniger Drähten zu verwenden. Das könnte dazu beitragen, die wenigen noch erhaltenen Exemplare des seltenen und scheuen Nachtpapageis zu erhalten.

Quelle: Flinders University; Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-020-65156-0

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