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Ausgestorben geglaubte Nacktschnecken-Art nach 80 Jahren wiederentdeckt

Skurril: Nacktschnecke auf der Reeperbahn

Bierschnegel
Typisch für die in Hamburg als ausgestorben gegoltenen Bierschnegel ist ihre Fleckenzeichnung. (Foto: UHH/Neiber)
80 Jahre lang galt sie als ausgestorben oder zumindest verschollen – jetzt wurde sie wiederentdeckt: Auf der Hamburger Reeperbahn haben Biologen doch noch Exemplare der seltenen Nacktschneckenart „Bierschnegel“ aufgespürt.

Der Bierschnegel (Limacus flavus) ist eine etwa zehn Zentimeter lange Nacktschnecke, die vor allem durch ihr charakteristisches Fleckenmuster auffällt: Sie ist durch ihre gelbgrünliche Färbung und die blaugrau gefärbten Fühler von anderen großen heimischen Nacktschnecken gut zu unterscheiden. Die Art bevorzugt feuchte, dunkle Lebensräume wie Keller und Lagerräume, alte Bruchsteinmauern, Park- und Gartenanlagen sowie Gullys und Abwasserkanäle.

Seit 80 Jahren verschollen

Der deutsche Name Bierschnegel geht auf das früher häufige Vorkommen der Art in Brauereikellern zurück, wo sich die Nacktschnecke von Vorräten und Abfällen der Bierproduktion ernährte und als Vorratsschädling galt. Doch im Zuge von Gebäudesanierungen und der Zerstörung geeigneter Lebensräume ist der Bierschnegel in den vergangenen Jahrzehnten vielerorts selten geworden.

In der aktuellen Roten Liste der Binnenmollusken Deutschlands von 2012 wird der Bierschnegel als vom Aussterben bedroht geführt. Im Hamburger Stadtgebiet gilt die Nacktschnecke seit rund 80 Jahren als ausgestorben beziehungsweise verschollen. Der letzte Nachweis für Hamburg stammt aus der Zeit um 1935 aus dem Stadtteil Othmarschen. „Hinzu kommt das Problem der Erfassung, denn der Bierschnegel lebt sehr versteckt und kommt kaum vor 22 Uhr aus seinen Verstecken“, erklärt Marco Neiber, Zoologe und Schneckenforscher am Centrum für Naturkunde (CeNak) der Universität Hamburg.

Fund auf der Reeperbahn

Jetzt jedoch wurden erstmals wieder Bierschnegel gesichtet – in St. Pauli und im Grindelviertel. Der erste Neunachweis für Hamburg gelang im Sommer 2015 auf dem Hofgelände eines Hostels auf der Reeperbahn. Eine Schnecke kroch bei regnerischem Wetter an einem Abluftschacht herum, eine weitere saß in einem Pflanzkasten, wie der Biologe berichtet. Im Jahr 2016 wurde ein weiterer Bierschnegel in unmittelbarer Nähe des Zoologischen Museums gefunden, ebenfalls an einem Abluftschacht.

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Die neuen Nachweise aus Hamburg sind außer einigen Funden in Berlin die einzigen Sichtungen des Bierschnegels in einer deutschen Großstadt. Nach Ansicht des Schneckenforschers Neiber könnten sie aber darauf hindeuten, dass der Bierschnegel vielleicht doch nicht so selten und bedroht ist wie bisher angenommen – er lebte nur so versteckt, dass er einfach schwer zu entdecken ist.

Eine andere mögliche Erklärung für die Neufunde könnte jedoch auch sein, dass diese Nacktschnecke zu den „Gewinnern“ des Klimawandels gehört. Die milderen Winter sorgen möglicherweise dafür, dass mehr Bierschnegel als früher die Winter überleben. „Nichtsdestotrotz sollte die Art für Deutschland als Ganzes als stark gefährdet eingestuft bleiben, da geeignete Habitate in Siedlungsräumen durch Sanierungen seltener werden“, betont Neiber.

Quelle: Universität Hamburg

© natur.de – Nadja Podbregar
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