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Söhne promiskuitiver Mütter sind sexier

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DIeses Mäusemännchen hat reichlich Lockstoff-Sekret produziert. (Doug Cornwall/ University of Utah)
Wie sexy und attraktiv junge Mäusemänner auf das andere Geschlecht wirken, entscheidet auch der Lebenswandel ihrer Mutter. Denn wenn sie mit mehreren Männchen zusammengelebt hat und damit eher promiskuitiv war, dann erhöht dies später die Paarungschancen ihrer Söhne. Das Geheimnis dieses Erfolgs: Promiskuitive Mütter vererben ihrem Nachwuchs eine andere epigenetische Programmierung als monogame Mäuseweibchen. Dadurch produzieren ihre Söhne mehr von einem Duftstoff, dem die Frauen einfach nicht widerstehen können.

Mäuseweibchen stehen auf Männerparfum. Allerdings nicht auf irgendeines, sondern nur auf ein spezielles Drüsensekret der Mäusemännchen. Diese setzen diese lockenden Duftmarken mit ihrem Urin ab, lassen sich aber auch gerne direkt von ihren Partnerinnen in spe beschnüffeln. Schon früher haben Studien gezeigt, dass die Mäusemänner am erfolgreichsten bei der Partnersuche sind, die diesen Lockstoff am reichlichsten produzieren. Was aber entscheidet, wie viel Lockstoff ein Männchen erzeugt? Einen dieser Faktoren haben Adam C. Nelson von der University of Utah in Salt Lake City und seine Kollegen jetzt aufgedeckt: den Lebenswandel der Mäusemütter.

Mütter aus der WG haben erfolgreichere Söhne

In ihrem Experiment hielten die Wissenschaftler 46 Versuchsmäuse paarweise in Käfigen und zwangen sie damit quasi zur Monogamie. Eine andere Gruppe aus 20 Männchen und 40 Weibchen durfte dagegen zusammen in einem großen Gehege mit sechs Nistboxen, mehreren Futterstellen und Territorien leben. Diese soziale Haltung entspricht der Lebensweise von Wildmäusen, wie die Forscher erklären. Unter diesen Bedingungen müssen die Tiere um Territorien, aber auch um Paarungspartner konkurrieren.

Nachdem die Mäuse acht Wochen lang in dieser WG gelebt hatten, begann der zweite Teil des Experiments. Die Forscher setzten die Tiere nun in vier verschiedenen Kombinationen zu Paaren in Käfige zusammen: Entweder stammten beide Partner aus der WG, beide aus monogamer Haltung oder aber jeweils nur das Weibchen oder Männchen kam aus der WG, der andere Partner aus der monogamen Haltung. In diesen Paaren wurden die Mäuse solange gehalten, bis sie Nachwuchs bekamen. Als die Söhne aus diesen Paarungen ausgewachsen waren, nahmen die Forscher ihnen Blut- und Urinproben ab. Der Urin diente anschließend als Attraktivitätstest: Die Wissenschaftler prüften, wie stark anziehend ein Tropfen des Urins auf Mäuseweibchen wirkte. Mit Hilfe des Blutes analysierten sie den Gehalt des männlichen Sexualhormons Testosteron und bestimmten die Genaktivität der Tiere.

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Das Ergebnis: Immer dann, wenn die Mutter eines Mäusemännchens aus der WG stammte, wirkte ihr Sohn attraktiver auf Weibchen. Er produzierte rund ein Drittel mehr Lockstoff als seine von monogamen Müttern abstammenden Geschlechtsgenossen. Ob der Vater dagegen monogam oder polygam gelebt hatte, spielte dafür kaum eine Rolle. „Wenn Mütter sich in einer vom sozialen Wettbewerb geprägten Umwelt paaren, programmieren sie ihre Söhne quasi dazu, mehr Pheromone zu erzeugen und damit einen Vorteil in einer solchen Situation zu gewinnen“, erklärt Nelson. Für Männchen sei dies dagegen nicht sinnvoll, weil ihre Söhne sehr schnell zu ihren Konkurrenten heranwachsen.

Der Vorteil liegt im Epigenom

Nähere Untersuchungen enthüllten auch, wie die Mütter ihren Söhnen den Paarungsvorteil verschafften: über sogenannte epigenetische Faktoren. Diese kleinen Anlagerungen am Erbgut beeinflussen, welche Gene abgelesen werden können und daher aktiv sind und welche nicht. Wie sich zeigte, war bei den Söhnen promiskuitiver Mäusemütter das für den Lockstoff zuständige Gen im Erbgut nur halb so oft von solchen Anlagerungen blockiert wie bei den Söhnen monogamer Weibchen. „Diese Studie ist damit eine der ersten, die zeigt, dass diese Art epigenetischer Prozesse den Paarungserfolg des Nachwuchses beeinflussen können“, konstatiert Nelson.

Allerdings: Der sexuelle Erfolg hat auch seinen Preis. Die Männchen, die besonders viel Pheromon produzierten und sich daher viel paaren konnten, lebten meist deutlich kürzer als ihre weniger erfolgreichen Geschlechtsgenossen. Von ihnen überlebten nur halb so viel die gesamte Dauer des Langzeit-Experiments, wie die Forscher berichten. Der Grund dafür: „Die Produktion von Pheromonen ist unerhört kostspielig“, erklärt Seniorautor Wayne Potts von der University of Utah. Die Investition eines einzigen Mäusemännchens für seine Pheromone entspreche dem von zehn männlichen Pfauen für ihr Rad. Und dieser Aufwand geht zu Lasten der allgemeinen Gesundheit und der Lebensdauer. Aber trotz ihrer kürzeren Lebenszeit reicht den Söhnen der WG-Mütter ihr Vorsprung im Paarungserfolg aus: Sie zeugen dennoch im Laufe ihres Lebens mehr Nachwuchs als ihre länger lebenden, aber dafür weniger attraktiven Geschlechtsgenossen.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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