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Sonne fürs Auge

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Geht raus und spielt! Das ist nicht nur gesund für die psychische Entwicklung, sondern stärkt auch die Augen. (Foto: ArtMarie/iStock)
Was verbindet Johannes Kepler mit Isaak Newton und Friedrich Nietzsche? Sie alle waren blitzgescheit – und kurzsichtig. Mit ihren schlechten Augen waren sie zu ihren Lebzeiten eher die Ausnahme. Heute ist Kurzsichtigkeit nichts Ungewöhnliches mehr. Vor allem in den Industrienationen steigt die Zahl der Kurzsichtigen rasant. In Deutschland ist etwa jeder Dritte betroffen.

Viele Menschen verbinden Kurzsichtigkeit mit Intellekt: Das Klischee vom Brille tragenden Bücherwurm ist weit verbreitet. Sind kurzsichtige Menschen tatsächlich intelligenter? So einfach ist das zum Glück nicht. „Myopie hat in erster Linie mit Bildung zu tun, nicht mit Intelligenz“, sagt Norbert Pfeiffer von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im April-Heft von bild der wissenschaft. Er und sein Team haben herausgefunden, dass Menschen, die einen hohen Bildungsabschluss haben, besonders oft kurzsichtig sind. Die Ursache ist offenbar ein Mangel an Tageslicht: Wer viel Zeit am Schreibtisch, in Hörsälen oder Bibliotheken verbringt, dessen Auge wächst in die Länge – es wird kurzsichtig.

„Sind Kinder täglich zwei Stunden draußen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie kurzsichtig werden, um mehr als die Hälfte“, sagt Frank Schaeffel vom Zentrum für Augenheilkunde des Universitätsklinikum Tübingen. „Draußen ist es am Tag 20 bis 200 Mal heller als drinnen.“ Innenräume erreichen meist nicht mehr als 500 Lux, es sei denn, es handelt sich um lichtdurchflutete Ateliers. Draußen ist das anders: An einem hellen Sommertag hat die Erde etwa 10.0000 Lux, und selbst bei trübem Wetter liefert das Tageslicht noch 20.000 Lux.

„Neben dem Tageslicht spielt auch die Vererbung eine Rolle“, schreibt Redakteurin Claudia Christine Wolf in bild der wissenschaft. „Wer kurzsichtige Eltern hat, wird häufig selbst kurzsichtig.“ Ist ein Elternteil kurzsichtig, wird das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 15 Prozent kurzsichtig, sind beide Eltern kurzsichtig, liegt das Risiko sogar bei 30 bis 40 Prozent. Kinder mit kurzsichtigen Eltern sollten daher besonders darauf achten, täglich Zeit im Freien zu verbringen.

Wer will, kann sich auch 0,01-prozentige Atropin-Lösung ins Auge träufeln. Das Gift der Tollkirsche wirkt offenbar ähnlich wie Sonnenlicht, indem es die Freisetzung von Dopamin in der Netzhaut fördert und dadurch verhindert, dass der Augapfel übermäßig in die Länge wächst. „In so einer geringen Konzentration ist Atropin ungefährlich und langfristig gut wirksam gegen Kurzsichtigkeit“, sagt Wolf Lagrèze, Spezialist für Kinderaugenheilkunde am Uniklinikum Freiburg. Im April-Heft gibt er Tipps, was man gegen schlechte Augen tun kann.

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