Sportliche Notbremse im Kopf - wissenschaft.de
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Sportliche Notbremse im Kopf

Erschöpfung nach sportlicher Betätigung ist Kopfsache: Starke Anstrengung schränkt zunächst nicht die Funktionsfähigkeit der Muskeln ein, sondern löst eine emotionale Reaktion im Gehirn aus. Amerikanische Forscher haben nun einen Schlüsselfaktor bei dieser Gehirnreaktion identifiziert: Erhöhte Mengen eines Botenstoffs des Immunsystems melden dem Gehirn eine drohende Überanstrengung. Das dann ausgelöste Gefühl der Erschöpfung vermindert die Leistungsfähigkeit und schützt so die Muskeln vor Schäden. Über die Untersuchung des Teams um Paula Robson-Ansley von der Universität in Kapstadt berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausg. vom 31. Juli, S. 11).

Wenn Muskeln bei starker Beanspruchung irgendwann nicht mehr genug Brennstoff oder Sauerstoff zur Verfügung haben, beginnt ihre Funktion nachzulassen und ein Erschöpfungszustand stellt sich ein ? das war lange Zeit die gängige Erklärung für die typische bleierne Müdigkeit nach einer intensiven sportlichen Betätigung. Erst seit etwa zwei Jahren beginnen Wissenschaftler umzudenken, denn einige Befunde aus der Sportwissenschaft passen nicht zur bisherigen Theorie. So haben die meisten Athleten beispielsweise auch nach einem Marathonlauf noch genügend Muskeltreibstoff in Reserve, um einen Endspurt hinzulegen.

Vielmehr scheint das Gehirn als eine Art Schaltzentrale zu wirken: Es erzeugt das lähmende Erschöpfungsgefühl, damit die Muskeln nicht bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit belastet werden und immer noch genügend Reserven für einen Notfall zur Verfügung stehen. Den Zeitpunkt dieses Eingreifens bestimmt dabei offenbar der Botenstoff Interleukin-6, entdeckten die Forscher: Nach intensivem Sport steigt die Konzentration dieses Signalmoleküls im Blut auf das 60- bis 100fache des normalen Spiegels an. Ein weiterer Test bestätigte den Wissenschaftlern, dass die erhöhte Konzentration tatsächlich die Erschöpfung verursachte: Wurde geübten Läufern eine Dosis Interleukin-6 gespritzt, ließ ihre Leistungsfähigkeit deutlich nach und sie wurden langsamer.

Die Entdeckung könnte in Zukunft die Behandlung von Erschöpfungszuständen nach dem Sport verbessern, schreibt der „New Scientist“. Außerdem bestehe die Hoffnung, eine Therapie gegen die so genannte Fatigue zu finden, die häufig bei Krebspatienten auftritt und durch chronische Erschöpfungszustände gekennzeichnet ist.

ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel
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