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Stadtfüchse sind anders

Stadtfuchs
Ein Fuchs in der Stadt. (Bild: Dgwildlife/ iStock)

Rotfüchse haben sich schon lange an das Leben in unseren Großstädten angepasst. Im Vergleich zu ihren ländlichen Artgenossen zeigen die Stadtfüchse dabei messbare Unterschiede – sowohl im Verhalten als auch in ihren Genen, wie nun eine Studie belegt: Die Berliner Stadtfüchse und ihre Artgenossen im Umland stellen demnach zwei genetisch abgegrenzte Populationen dar. Als trennend zwischen beiden wirkt vor allem die größere Scheu der Landfüchse vor menschengemachten Strukturen wie Straßen und Bahntrassen.

Der Rotfuchs hat von allen freilebenden Raubtieren das größte Verbreitungsgebiet und kommt in nahezu allen Lebensräumen vor – von dichten Wäldern über offenen Landschaften bis hin zu Halbwüsten. Sein Erfolg beruht unter anderem darauf, dass er ein eher anspruchsloser Allesfresser ist, der sich flexibel auf gerade verfügbare Nahrungsquellen einstellen kann. Selbst Früchte verschmäht der Fuchs nicht. Es verwundert daher kaum, dass er sich auch in Städten durchaus heimisch fühlt.

Stadtfüchse sind eine eigene genetische Population

Ein Beispiel für eine schon länger von Füchsen „eroberte“ Stadt ist Berlin: Hier wurden schon in den 1950er Jahren erste Rotfüchse im Stadtgebiet beobachtet, seit Beginn der 1990er Jahre kommen sie über die gesamte Stadt verteilt vor. Sophia Kimmig vom Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und ihre Kollegen haben nun untersucht, ob und wie sich diese Berliner Stadtfüchse von ihren Artgenossen im Brandenburger Umland unterscheiden. Dafür sammelten sie Gewebeproben von 188 Stadtfüchsen und 186 Landfüchsen aus dem Umland und analysierten das darin enthaltene Erbgut. Zusätzlich ermittelten die Forscher mithilfe eines Modells, welche Faktoren die Verbreitung und den Austausch der Füchse beeinflussen.

Die DNA-Analysen ergaben: Die Fuchspopulationen innerhalb Berlins und im Umland unterscheiden sich genetisch voneinander. „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass es bei diesen Tieren eine genetische Differenzierung zwischen städtischen und ländlichen Gebieten gibt – und damit die Hypothese der sogenannten urbanen Insel“, berichten Kimmig und ihre Kollegen. Ihren Gendaten zufolge gibt es keinen ungehinderten Einstrom von Landfüchsen ins Stadtgebiet und umgekehrt. Zwar findet noch ein Genaustausch zwischen beiden Populationen statt, dieser ist jedoch deutlich eingeschränkt. Als Folge ist die genetische Vielfalt der Stadtfüchse gegenüber der ländlichen Population verarmt, wie die Forscher feststellten.

Stadtautobahn als Verbreitungskorridor

Doch was hindert Stadt- und Landfüchse daran, frei ihren Lebensraum zu wechseln? Ein Faktor dafür sind physische Barrieren wie Flüsse, große Straßen oder Bahntrassen. Doch im Falle der Berliner Füchse reichen diese Hindernisse allein nicht aus, um die Abgrenzung der Populationen zu erklären. Denn die Trennlinie zwischen urbanen und ruralen Füchsen verlief nicht entlang dieser Barrieren, sondern vielmehr ziemlich genau entlang der administrativen Stadtgrenze. „Hier gibt es nur wenige physische Barrieren“, sagt Kimmig. „Entlang dieser Linie steigen allerdings menschliche Aktivität und Dichte des Hausbestandes sprunghaft an.“ Die Wissenschaftler vermuten daher, dass Verhaltensanpassungen die Populationen voneinander abgrenzen. „Es scheint nicht Bewegungsfreiheit zu sein, sondern die Angst, die die ländlichen Füchse davon abhält, die Stadtinsel zu betreten“, sagen sie.

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Gestützt wird dies von einer Beobachtung bei den Berliner Stadtfüchsen: Entgegen der Erwartung nutzen diese nicht etwa Parks, Gärten und andere grüne Korridore, um sich innerhalb der Stadt zu wegen. Stattdessen bewegen sie sich bevorzugt entlang der großen Bahntrassen und der vielbefahrenen Stadtautobahnen – obwohl sie dort in akuter Gefahr sind, überfahren zu werden. Diese Verkehrswege haben trotz ihres Risikos eine Gemeinsamkeit: Es gibt dort zwar viele Fahrzeuge, aber kaum Fußgänger oder Fahrradfahrer. Kimmig und ihr Team vermuten daher, dass die Stadtfüchse mehr Angst vor dem Menschen haben als vor seinen Bauten und Verkehrswegen. Das aber scheint bei ihren ländlichen Artgenossen anders zu sein: „Unsere Ergebnisse eigen, dass Landfüchse anders als ihre städtischen Verwandten, keine künstlichen Strukturen als Verbreitungskorridore nutzen“, so die Forscher. Das hält sie vermutlich davon ab, in größeren Zahlen in die Stadt einzuwandern.

Quelle: Forschungsverbund Berlin e.V.; Fachartikel: Molecular Ecology, doi: 10.1111/mec.15345

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