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Umwelt+Natur

Stadtspinnen lassen sich vom Licht nicht stören

Spinne
Die Spinne Steatoda triangulosa hat sich ans Stadtleben angepasst. (Foto: Tobias Hauke)

Die Lichtverschmutzung zwingt längst viele Tiere dazu, sich an die künstlich erhellten Nächte in unseren Städten anzupassen. Das gilt auch für Spinnen, wie nun ein Experiment belegt. Denn eine sonst eher lichtscheue Art verliert offenbar durch das Stadtleben ihre Angst vor der Helligkeit. Im Versuch bauten die Stadtspinnen ihre Netze deutlich häufiger in hellerleuchteten Bereichen als ihre lichtscheueren Artgenossen vom Land.

Der Mensch hat die Umwelt dramatisch verändert. Das hat nicht nur Auswirkungen auf uns, sondern auch auf andere Lebewesen und ihre Lebensräume. Für viele Tiere bedeutet dies, sich entweder anzupassen oder den Kürzeren zu ziehen. Das gilt auch für die Lichtverschmutzung – die zunehmende Erhellung der Nacht in Städten und Ballungsräumen durch die künstliche Beleuchtung. Studien zeigen, dass die Lichtverschmutzung unter anderem die Orientierung von Zugvögeln stört und für einige Insekten zur Todesfalle werden kann.

Spinnen vom Land und aus der Stadt

Bisher kaum untersucht war jedoch, ob und wie sich Spinnen von nächtlichem Kunstlicht stören lassen. „Eines Nachts ging ich eine Straße entlang und habe diese fetten Spinnen in ihren Netzen an den Straßenlaternen beobachtet und mich gefragt: Entwickeln die Achtbeiner Gefallen am Licht?“, schildert Tomer Czaczkes von der Universität Regensburg den Anstoß zur Studie. Gemeinsam mit Kollegen hat er untersucht, ob sich das Verhalten von Spinnen aus der lichtverschmutzten Stadt von dem ihrer Artgenossen auf dem dunklen Land unterscheidet.

„Zuerst mussten wir dafür eine gewöhnliche Spinnenart finden, die sowohl in urbanen wie in ruralen Gegenden vorkommt, erklärt Co-Autorin Cristina Tuni von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München. „Wir haben uns auf Steatoda triangulosa geeinigt, wahrscheinlich die häufigste Spinne in unseren Gebäuden. Wir haben nur ungefähr fünf Minuten gebraucht, um eine hinter einem Schreibtisch in unserem Büro zu finden.“ Auf dem Land erwies sich das Aufspüren dieser kleinen Spinne zwar schwieriger, aber schließlich gelang es, genügend Eisäcke dieser Spinnen einzusammeln.

Netze auch im Licht

Für das eigentliche Experiment warteten die Forscher, bis alle eingesammelten Spinnengelege reif waren und die Jungspinnen schlüpften. Diese wurden dann jeweils einzeln in kleine Testumgebungen gesetzt, die zur Hälfte erleuchtet, zur Hälfte dunkel waren. Die Wissenschaftler beobachteten dann, wo die Jungspinnen ihre Netze spannen. Das Ergebnis: „Wir haben herausgefunden, dass Jungtiere aus ländlichen Gegenden die helle Seite gemieden und ihre Netze bevorzugt im Dunklen gebaut haben“, berichtet Co-Autorin Ana María Bastidas-Urrutiavon der LMU München. „Den städtischen Jungtieren war es jedoch egal, wo sie ihre Netze gebaut haben. Das Licht schien sie nicht zu stören.“

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Demnach scheinen die urbanen Spinnen ihre natürliche Abneigung gegen Helligkeit zumindest in Teilen abgelegt zu haben – aber warum? „Das ist nicht ganz klar“, sagt Czaczkes. „Es könnte sein, dass sie eine Vorliebe für Licht entwickeln, weil sie dort mehr Nahrung finden.“ Möglich sei aber auch, dass Spinnen, die sich nicht vom Licht stören lassen und deshalb in Gebäuden überwintern, einen Überlebensvorteil haben. Sie könnten sich dadurch im Laufe der Zeit in der Stadt durchsetzen. „Es könnte beides oder etwas komplett anderes sein“, so der Forscher.

Was jedoch offensichtlich ist: Durch den Menschen verändert sich die natürliche Umwelt stark und die Tiere müssen sich den neuen Gegebenheiten anpassen oder haben verloren.

Quelle: Universität Regensburg, Fachartikel: The Science of Nature, doi: 10.1007/s00114-018-1589-2

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