Bleibelastung der Vögel spiegelt Belastung von Stadtkindern erstaunlich gut wider Stadttauben als Schadstoff-Anzeiger - wissenschaft.de
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Bleibelastung der Vögel spiegelt Belastung von Stadtkindern erstaunlich gut wider

Stadttauben als Schadstoff-Anzeiger

Stadttaube
Stadttauben eignen sich gut als Bioindikatoren für Schadstoffe (Foto: fotoman1962/Fotolia)
Tauben in der Stadt gelten oft als „Ratten der Lüfte“, aber wie sich jetzt zeigt, können sie auch nützlich sein: Ihr Blut verrät, wie hoch die Belastung mit Blei und anderen Schadstoffen in verschiedenen Bereichen der Großstadt ist.

Tauben gelten in den Großstädten eher als Plage, denn als Segen. Denn dank ihrer Vorliebe für felsige Habitate, ihrer wenig spezialisierten Nahrungsansprüche und geringen Scheu hat sie sich bestens an das Leben in dicht bebauten Gebieten angepasst. „Tauben atmen die gleiche Luft und laufen über die gleichen Bürgersteige wie wir – und oftmals essen sie sogar die gleiche Nahrung“, erklärt Rebecca Calisi von der University of California in Davis.

Genau diese enge Assoziation mit uns Menschen aber macht die Stadttauben auch überaus nützlich. Denn ähnlich wie früher die Kanarienvögel im Bergwerk gefährliche Gase anzeigten, kann die Stadttaube als Bioindikator für Schadstoffe dienen. Wie nun eine Studie in New York City belegt, sind Stadttauben besonders gut dafür geeignet, um Straßen und Stadtviertel mit hoher Bleibelastung aufzuspüren.

Blei ist noch immer ein Problem

Zwar ist Blei als Zusatz in Benzin und anderen Kraftstoffen schon seit rund 20 Jahren verboten, dennoch bleibt dieses Schwermetall bis heute in Umweltproblem. „Reste der früheren Blei-Kraftstoffe sind bis heute noch auf vielen Straßen zu finden“, sagt Calisi. „Bleihaltige Farbe findet sich zudem noch in vielen älteren Gebäuden und bei ihrem Abriss kann der Bleistaubgehalt der Luft um mehrere hundertmal ansteigen.“ Hinzu kommt: Weil Blei sich im Körper anreichert, können selbst langanhaltende niedrige Belastungen die Gesundheit und speziell das Nervensystem schädigen.

Das Problem: Um die lokale Bleibelastung zu überwachen, müssen normalerweise Blutproben von Stadtbewohnern genommen werden – aber das ist aufwändig und nicht gerade beliebt. Genua hier kommen nun die Tauben ins Spiel. Calisi und ihre Kollegin Fayme Cai haben für ihre Studie das Blut von 825 Stadttauben aus verschiedenen Gebieten in New York City untersucht. Die Tiere waren zwischen 2010 und 2015 wegen Verletzungen und Krankheiten in eine Vogelauffangstation gebracht worden.

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Fliegende Schadstoff-Indikatoren

Wie sich zeigte, spiegelten die Blutproben der sehr standorttreuen Vögel sehr genau die Bleibelastung in ihrem Revier wider. Überall dort, wo die Tauben hohe Bleiwerte aufwiesen, hatten Stichproben-Tests der Gesundheitsbehörden bei den dort wohnenden Kindern ebenfalls erhöhte Bleiwerte gefunden. So war die Bleibelastung in Lower Manhattan, Soho und Greenwich fast doppelt so hoch wie in Harlem oder der Upper East Side New Yorks.

Auffallend auch: Sowohl bei Kindern als auch bei den Tauben war die Bleibelastung im Sommer signifikant höher als in den anderen Jahreszeiten. Warum das so ist, ist bisher unklar. Theoretisch könnte dies aber daran liegen, dass im Sommer mehr Blei in der Stadtluft und Umwelt umherfliegt und aufgenommen wird – beispielsweise weil es heißer und trockener ist und daher mehr Staub aufgewirbelt wird, wie die Forscherinnen erklären.

„Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich Tauben tatsächlich dazu eignen, die lokale Verteilung und Belastung durch Schadstoffe zu überwachen“, sagt Calisi. „Wir können die ‚Ratten der Lüfte‘ nutzen, um Gefahren für die menschliche Gesundheit aufzuspüren.“ Weil sich die Vögel typischerweise nur in einem Umkreis von ein paar Blocks bewegen, bilden sie ein relativ engmaschiges, lebendes Messnetz für solche Belastungen. Nach Ansicht der Forscherinnen eignen sich Stadttauben daher sehr gut als Bioindikatoren nicht nur für Blei, sondern auch für andere Schwermetalle, sowie Pestizide und weitere Schadstoffe.

Quelle: University of California Davis, Fachartikel: Chemisphere, doi: 10.1016/j.chemosphere.2016.07.002

© natur.de – Nadja Podbregar
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