Ständiger Verkehr auf der hirneigenen Datenautobahn - wissenschaft.de
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Ständiger Verkehr auf der hirneigenen Datenautobahn

Das Gehirn verarbeitet Informationen nicht stufenweise wie ein Computer, sondern in einem ständigen Fließprozess. So werden Worte beispielsweise schon während der Wahrnehmung verarbeitet und in Bewegungen umgesetzt. Das hat ein deutsch-amerikanisches Forscherteam bei Experimenten mit Freiwilligen gezeigt, die mit einem Mauszeiger auf Gegenstände zeigen sollten. Dabei reichten schon die ersten Laute eines Wortes aus, um die Probanden auf das richtige Objekt deuten zu lassen ? vorausgesetzt, der Wortanfang war eindeutig einem der Objekte zuzuordnen.

Wahrnehmungstheoretiker vermuteten lange Zeit, dass Informationen im Gehirn immer als kleine Päckchen von einer Verarbeitungsstufe zur nächsten weitergereicht werden. Ein solches Vorgehen wäre vergleichbar mit dem eines Computers, in dem jede Datenveränderung erst die nächste bedingt. In letzter Zeit häufen sich jedoch Hinweise darauf, dass dieser Prozess möglicherweise nicht Schritt für Schritt, sondern dynamisch und kontinuierlich abläuft.

Diese These wird auch durch die neuen Ergebnisse gestützt, berichten Michael Spivey und seine Kollegen. Die Wissenschaftler hatten 42 Freiwillige gebeten, mit einem Mauszeiger auf verschiedene, auf einem Monitor abgebildete Objekte zu zeigen. Pro Test standen dabei immer zwei Gegenstände zur Auswahl. Hatten die Namen der Objekte keine Ähnlichkeit miteinander, wie beispielsweise „Kabel“ und „Jacke“, führten die Testteilnehmer den Cursor sofort und auf einem geraden Weg zum entsprechenden Objekt, beobachteten die Forscher. Waren jedoch Gegenstände mit ähnlich klingenden Namen wie „Kabel“ und „Karte“ abgebildet, reagierten die Probanden deutlich langsamer und führten den Mauszeiger mehrmals zwischen den beiden Darstellungen hin- und her.

Wäre jedes Wort eine vollständige Wahrnehmungseinheit, hätten die Probanden immer sofort auf ein Bild zeigen und im Fall eines Irrtums ihre Auswahl anschließend korrigieren müssen, schreiben die Forscher. Da sie jedoch während der Wahrnehmung des Wortes zögerten und die getroffene Wahl bereits zu diesem Zeitpunkt verändern konnten, müsse die Sprachwahrnehmung auf einem dynamischen Prozess basieren. Bei einem solchen Mechanismus gebe es dann nicht nur „falsch“ und „richtig“, sondern auch Werte dazwischen.

Michael Spivey (Cornell-Universität, Ithaca) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0503903102

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