Stammen Zwillinge eindeutig vom selben Vater? - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Nachgefragt Umwelt+Natur

Stammen Zwillinge eindeutig vom selben Vater?

17-07-29 Zwillinge.jpg
Bei eineiigen Zwillingen ist die Sache klar. (Foto: OSTILL/iStock)
Kuckuckskinder heißt das Stichwort: Studien zeigen, dass etwa vier Prozent aller Kinder nicht vom angeblichen Vater stammen. Folglich sind auch viele Geschwister in Wirklichkeit nur Halbbruder oder Halbschwester. Aber wie ist das bei Zwillingen – ist wenigstens in diesem Fall eindeutig klar, dass sie denselben Vater haben? Auf diese Frage hat uns Günter V. aufmerksam gemacht – vielen Dank dafür.

„Das kommt drauf an, ob es sich um eineiige oder zweieiige Zwillinge handelt“, sagt Christine Luckenbach vom Institut für humangenetische Analytik in Tübingen. „Eineiige Zwillinge haben tatsächlich zwangsläufig denselben Vater“. Sie entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle und besitzen dadurch auch identische Erbanlagen. Das ist der Grund warum eineiige Zwillinge optisch kaum zu unterscheiden sind – das klassische „doppelte Lottchen“. „Eineiige Zwillinge sind durch ein Spermium entstanden und das kann ja auch nur von einem einzigen Vater stammen“, erklärt Luckenbach.

Nur bei zweieiigen Zwillingen gibt es Zweifel

Bei zweieiigen Zwillingen ist die Lage allerdings ganz anders: Sie entstehen aus zwei verschiedenen befruchteten Eizellen. Normalerweise entwickelt sich bei der Frau im Rahmen des monatlichen Zyklus nur ein befruchtungsfähiges Ei – gelegentlich sind es aber auch mal zwei. Für ihre Befruchtung sind zwei verschiedene Spermien nötig, damit zweieiige Zwillinge entstehen. „Das sind dann genetisch gesehen ganz normale Geschwister, sie werden eben nur zeitgleich geboren“, sagt Luckenbach. Dadurch können beispielsweise auch ein Mädchen und ein Junge als Zwillingspaar zur Welt kommen.

Somit ist es auch durchaus möglich, dass sie von zwei unterschiedlichen Vätern stammen: „Das Zeitfenster für eine Befruchtung der Eizellen kann bis zu fünf Tage betragen“, sagt Luckenbach. Spermien bleiben ebenfalls 48 Stunden befruchtungsfähig. Das bedeutet: Hat eine Frau in dem kritischen Zeitfenster Geschlechtsverkehr mit unterschiedlichen Männern, können demzufolge auch Zwillinge entstehen, die in Wirklichkeit nur Halbgeschwister sind.

Wenn Sie auch eine Frage für unsere Rubrik „Nachgefragt“ haben, schicken Sie uns einfach eine E-Mail an: fragen@wissenschaft.de

Anzeige

© wissenschaft.de – Martin Vieweg / dapd
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Re|gen|bo|gen|haut  〈f. 7u; Anat.〉 im Auge der Wirbeltiere u. des Menschen der vordere, durch die Hornhaut hindurch sichtbare, freie Rand der Aderhaut; Sy Iris ( ... mehr

Men|ge  〈f. 19〉 1 (bestimmte) Anzahl, Masse (Stoff~) 2 große Zahl, Fülle, ungeordneter Haufen (Menschen~) ... mehr

Peg|nitz|or|den  〈m. 4; unz.; Lit.; kurz für〉 Hirtenorden u. Blumenorden an der Pegnitz, von G. P. Harsdörffer 1644 gegründete Sprachgesellschaft zur Pflege der Schäferdichtung [nach dem fränk. Fluss Pegnitz ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige