Standardausstattung bei Ameisen: Schrittzähler - wissenschaft.de
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Standardausstattung bei Ameisen: Schrittzähler

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Wüstenameise mit verlängerten ...
Wüstenameisen zählen ihre Schritte, wenn sie von der Futterquelle zu ihrem Nest zurückkehren. Das hat ein Forscherteam aus Deutschland und der Schweiz nachgewiesen. Ameisen mit künstlich verlängerten Beinen und dementsprechend längeren Schrittlängen rannten im Versuch an ihrem Nest vorbei, während solche Tiere, denen die Beine gekürzt worden waren, zu früh begannen, ihr Nest zu suchen. Wie die Ameisen genau ihre Schritte zählen, sollen nun weitere Versuche zeigen.

Wüstenameisen (Cataglyphis fortis) kehren nach der Nahrungssuche auf direktem Weg in ihr Nest zurück. Dazu müssen sie sowohl über die Richtung als auch über die zurückgelegte Distanz Bescheid wissen. Schon lange ist bekannt, dass den Ameisen das polarisierte Sonnenlicht, das mit einer bestimmten Schwingungsrichtung auf der Erde ankommt, als Kompass dient. Wie die Tiere jedoch die Distanz abmessen, war bislang unklar. Bereits im Jahr 1904 vermuteten Insektenforscher, dass die Ameisen einen inneren Wegmesser besitzen. Matthias Wittlinger und seine Kollegen haben diese Hypothese nun zum ersten Mal getestet.

Die Wissenschaftler ließen dazu die Ameisen durch eine Metallschiene von ihrem Nest zu einer zehn Meter weit entfernten Futterquelle krabbeln. Dort fingen die Wissenschafter die Tiere ein und setzten sie für den Rückweg in eine zweite Metallschiene, die parallel zur ersten verlief. Anschließend beobachteten sie, wo die Ameisen ihr Nest zu suchen begannen. Im zweiten Teil des Versuchs veränderten die Biologen kurzerhand die Beinlänge der Tiere: Einigen Ameisen wurden die Beine mit Schweineborsten verlängert, anderen wurden einige Beinsegmente amputiert.

Als die Wüstenameisen nun von der Futterquelle zu ihrem Nest zurückkehrten, liefen die Tiere mit verlängerten Beinen zu weit, da sie nun größere Schritte nahmen. Die Ameisen mit den Stummelbeinen hingegen konnten nicht mehr so große Schritte machen und begannen daher zu früh, ihr Nest zu suchen. Einige Tage später hatten sich die Tiere jedoch an ihre neuen Beine gewöhnt und konnten die zurückgelegte Distanz wieder richtig einschätzen.

Matthias Wittlinger (Universität Ulm) et al.: Science, Bd. 312, S. 1965 ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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