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Steißgeburten sind vererblich

Die Wahrscheinlichkeit für Steißgeburten scheint vererblich zu sein: Wenn ein oder beide Elternteile mit dem Becken voran auf die Welt kamen, besitzt das erstgeborene Kind ein doppelt so hohes Risiko, in dieser sogenannten Beckenendlage geboren zu werden. Das ergab eine Studie an der Universität im norwegischen Bergen. Die Forschungsleiterin Tone Nordtveit und ihre Kollegen untersuchten dafür das norwegische Geburtsregister und werteten Daten von mehr als 230.000 Müttern und über 150.000 Vätern aus. Ihr Ergebnis: Das Risiko für Steißgeburten scheint genetisch bedingt zu sein und kann sowohl von Vätern als auch von Müttern weitergegeben werden.

Durchschnittlich kommt es bei rund drei bis vier Prozent aller Geburten zu einer Steißlage des Kindes, schreiben die Forscher. Als Risikofaktoren galten bislang unter anderem eine kurze Schwangerschaftszeit und ein geringes Geburtsgewicht der Kinder. Weitere Erklärungsansätze berücksichtigen das Alter der Mütter, organische Probleme im Mutterleib und die Zahl der Geburten. Mit all diesen Faktoren lassen sich aber weniger als 15 Prozent aller Steißgeburten erklären, berichten die Wissenschaftler.

Frühere Studien zeigten für Mütter, die bereits einmal eine Steißgeburt hatten, ein höheres Risiko für weitere derartige Geburten. Ob sich dieses Risiko auch über mehrere Generationen erstreckt, war dagegen bisher ungeklärt. Daher verglichen die Forscher Daten norwegischer Eltern aus den Jahren 1967 bis 1986 mit den Aufzeichnungen von deren Erstgeburten aus dem Zeitraum von 1987 bis 2004. In ihren Ergebnissen sehen die Forscher deutliche Hinweise auf genetische Faktoren, da das Risiko einer Steißgeburt auch dann anstieg, wenn nur der Vater auf diese Art geboren wurde.

Mit ihrer Forschung wollen die norwegischen Wissenschaftler vor allem die Geburtsvorsorge verbessern. Informationen über die Geburt der Eltern könnten dazu beitragen, die Zahl von nicht entdeckten Steißlagen zu vermindern, hoffen sie. Denn noch immer ist eine Steißgeburt mit einem erhöhten Sterberisiko für die Kinder verbunden. Die Medizinerin Janet Hardy von der Universität in Massachusetts warnt in einem Kommentar zu der Studie im gleichen Journal allerdings davor, werdende Mütter schon auf ein erhöhtes Risiko für eine Steißgeburt hinzuweisen, nur weil sie selbst so auf die Welt kamen. Dazu müssten auch noch andere Risikofaktoren bei den Müttern beachtet werden. Für Ärzte seien die Ergebnisse der norwegischen Studie allerdings hilfreich, so Hardy, und die Art, wie die Eltern geboren wurden, sollte bei der Geburtsvorsorge beachtet werden.

Tone Nordtveit (Universität Bergen) et al.: British Medical Journal, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1136/bmj.39505.436539.BE Kommentar von Janet Hardy (Universität von Massachusetts): British Medical Journal, Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1136/bmj.39527.608542.80 ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens
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