Stichhaltige Beweise - wissenschaft.de
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Stichhaltige Beweise

Kindern mit sogenannter entwicklungsbedingter Schwachsichtigkeit könnte künftig das Tragen einer therapeutischen Augenklappe erspart bleiben: Forscher aus China und den USA haben bei 7- bis 12-jährigen Patienten durch regelmäßige Akupunkturbehandlungen eindrucksvolle Therapieergebnisse erzielt. Die Resultate waren sogar deutlich besser als bei einer Vergleichsgruppe, die sich einer Standardtherapie unterzog und täglich für zwei Stunden eine Augenklappe trug. Auf welche Weise die Behandlung mit den feinen Nadeln wirkt, sei allerdings noch unklar, sagen die Forscher. Möglicherweise sei die Durchblutung des Auges verbessert oder die Aktivität der Sehrinde im Gehirn erhöht worden. Denkbar sei auch, dass die Therapie die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren der Netzhaut angeregt und dadurch den Stoffwechsel im Zentralnervensystem beeinflusst habe.

Fünf bis sechs Prozent aller Kinder leiden unter Amblyopie, auch als entwicklungsbedingte Schwachsichtigkeit oder „Stumpfes Auge“ bezeichnet. Eine häufige Ursache für diese Sehstörung ist Schielen oder starke Fehlsichtigkeit, also Kurz- oder Weitsichtigkeit. Beides führt dazu, dass das Gehirn lediglich die Bilder nutzt, die das jeweils stärkere Auge liefert. Die Sehfähigkeit des jeweils schwächeren Auges wird dadurch nicht ausreichend trainiert und nimmt weiter ab. Um dies zu verhindern, kann das stärkere Auge zeitweilig abgedeckt werden. Die besten Ergebnisse werden bei dieser sogenannten Okklusionstherapie in den ersten drei Lebensjahren erzielt, bei späterem Beginn muss die Augenklappe immer länger getragen werden und es werden dennoch nur noch kleinere Verbesserungen bewirkt. Bereits im Teenageralter werden oft nur noch minimale Erfolge erzielt.

An der nun veröffentlichten Studie hatten insgesamt 88 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren teilgenommen, bei denen sich die Amblyopie aufgrund einer Fehlsichtigkeit entwickelt hatte. 45 Kinder trugen auf Anweisung der Wissenschaftler 15 Wochen lang je zwei Stunden am Tag eine Augenklappe über dem stärkeren Auge. Die übrigen 43 wurden stattdessen täglich an fünf verschiedenen Punkten mit Akupunkturnadeln behandelt. Bereits vier Monate zuvor hatten zudem alle 88 eine auf sie angepasste Sehhilfe erhalten.

Nach 15 Wochen hatte sich bei der Augenklappengruppe die Sehkraft des schwächeren Auges deutlich verbessert: Sie konnten bei Standardsehtests mit Buchstabentafeln durchschnittlich 1,8 Zeilen mehr entziffern – also entsprechend kleinere Buchstaben erkennen – als vorher. Die Akupunkturgruppe schnitt sogar noch besser ab: Sie hatte sich durchschnittlich um 2,3 Zeilen verbessert. Bei insgesamt 16,7 Prozent der Teilnehmer der Augenklappengruppe galt die Amblyopie nach Studienende als überwunden, bei der Akupunkturgruppe schafften dies mit 41,5 Prozent mehr als doppelt so viele Probanden.

Nicht untersucht worden sei, inwieweit eine längere tägliche Tragedauer der Augenklappe die Ergebnisse dieser Gruppe verbessert hätte, schränken die Forscher ein. Ihre Intention sei allerdings auch nicht gewesen, die Okklusion als Standardtherapie abzulösen. Vielmehr sei nun gezeigt worden, dass die Akupunktur eine Alternative darstelle, wenn die Okklusionstherapie nicht durchgeführt werden könne – etwa wenn ein Kind die Mitarbeit verweigere oder mit der psychischen Belastung durch die Augenklappe nicht zurechtkomme.

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Jianhao Zhao (Chinese University of Hong Kong) et al.: Archives of Ophthalmology, Bd. 128, Nr. 12, S. 1510 dadp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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