Stimmungsmacher in Weihnachtsplätzchen - Die Kindheit lässt grüßen - wissenschaft.de
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Stimmungsmacher in Weihnachtsplätzchen – Die Kindheit lässt grüßen

Die meisten Menschen empfinden die Weihnachtszeit trotz aller Hektik als angenehm, beschaulich oder zumindest gemütlich. Die Mischung aus Düften und Gaumenfreuden prägen sich schon in der Kindheit ein. Vor allem das Plätzchenbacken schafft eine angenehm-heimelige Atmosphäre, riecht gut und weckt die Vorfreude auf den Geschmack. Feine Zutaten wie Ingwer, Anis, Muskatnuss, Zimt und Gewürznelken werden dem Teig von jeher zur Geschmacksverfeinerung zugegeben. Da aber jedes dieser Gewürze auch eine Wirkung auf Körper und Gesundheit hat, haben unsere Vorfahren die Stoffe vielleicht nicht ganz zufällig gewählt.

Allen gemeinsam ist eine gewisse Wirkung auf das Verdauungssystem. Sie regen mehr oder weniger stark die Magensaftproduktion und die Darmtätigkeit an. Diese Funktionen kommen gerade zur Weihnachtszeit, der Zeit des Schlemmens, sehr gelegen. Nelken und Zimt wirken darüber hinaus appetitanregend.

Aber was ist dran an der Vermutung, dass die guten Zutaten des Weihnachtsgebäcks auch die Stimmung heben? Gerade der Muskatnuss wird je nach Menge eine amphetamin-ähnliche und damit glücklich-machende Wirkung nachgesagt; ebenso dem Anis, das in der Volksmedizin als Aphrodisiakum eingesetzt wurde. Der Ingwer soll laut Hildegard von Bingen „faul und ausgelassen“ machen.

Prof. Steinberg, Ernährungstoxikologe an der Universität Potsdam, bestätigt zwar die Wirkung der einzelnen Gewürze, doch sei diese stark abhängig von der verzehrten Menge. „In den Plätzchen selber ist eine Konzentration der Würzmittel zwar noch nachzuweisen, eine offensichtliche Wirkung der Einzelsubstanz ist aber eher unwahrscheinlich.“

Eine Faszination, die gerade durch den Geschmack und den Geruch von Weihnachtsgebäck ausgeht, lässt sich dennoch nicht ganz leugnen. Dies liegt nicht nur daran, dass viele Menschen diese Köstlichkeiten tatsächlich nur zur Weihnachtszeit verzehren. Forscher verweisen auch auf die Erinnerung und Prägung in der Kindheit.

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„Wir haben eine angeborene Vorliebe für süßen Geschmack und angenehme Gerüche“, erklärt Prof. Alfons Hamm vom Institut für Klinische Psychologie an der Universität Greifswald. Ein europäisches Kind nimmt zu Weihnachten einerseits die Düfte von Kerzen, Tannennadeln und Weihnachtsgebäck wahr, andererseits den guten Geschmack der Süßigkeiten und des Gebäcks. Hinzu kommt eine Art Ausnahmesituation, in der es beschenkt wird, länger wach bleiben darf und dadurch ein Gefühl von Aufregung und Glück erlebt. „Wird das alles miteinander in Zusammenhang gebracht, kann man von einer Konditionierung (erlerntes Verhalten) sprechen“, sagt Hamm.

„Den Menschen ist nicht bewusst, was sie miteinander in Verbindung bringen, da Geruch und Geschmack unbewusste Lernvorgänge sind“, erklärt der Experte. „Aber die Vorliebe oder auch die Abneigung gegen Gerüche oder einen bestimmten Geschmack, werden früh in der Kindheit gebahnt und überdauern mindestens zwanzig Jahre.“ Wurden diese Erfahrungen in Kombination mit einem kindlichen Glücksgefühl gemacht, wird der Mensch zukünftig die Gerüche und Geschmacksrichtungen der Weihnachtszeit mit Glück in Zusammenhang bringen. Er könnte sein Stimmungshoch unbewusst erlernt haben und auf diese „Mischung“ reagieren – ähnlich wie Pawlows Hunde auf die Glocke. Erinnert sich doch das Unterbewusstsein des Menschen gerade an die gute, alte Zeit.

dpa

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