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Störche: Gute Flieger ziehen weiter

Ab in den Süden: Wie weit Weißstörche ziehen, hängt offenbar von ihrem Flugtalent ab. (Foto: Manfredxy/ istock)

Steht der Winter vor der Tür, machen sich bei uns heimische Störche auf die Reise gen Süden. Doch nicht jeder von ihnen wählt die gleiche Route: Während manche Vögel mehrere tausend Kilometer zurücklegen und zu den traditionellen Überwinterungsgebieten nach Afrika ziehen, scheuen andere hingegen diese anstrengende Reise – sie fliegen zum Beispiel nur bis nach Südspanien. Doch welche Faktoren bestimmen, wo die Störche ihr Winterquartier beziehen? Offenbar ist das individuelle Flugtalent entscheidend, wie Forscher nun herausgefunden haben.

Jedes Jahr machen sich im Winter Störche von ihren Brutplätzen in Europa auf, um in wärmere Gefilde zu fliegen. Dabei legen sie je nach Route teilweise mehrere tausend Kilometer zurück. Die sogenannten Westzieher, die unter anderem im Südwesten Deutschlands oder in den Niederlanden brüten, fliegen traditionell über Marokko weiter nach Süden und überqueren dabei das mehr als 1000 Kilometer breite Wüstengebiet der Sahara. Vögel aus Ländern wie Dänemark oder Polen nehmen dagegen die Ostroute. Diese führt die Tiere über den Bosporus, Israel und den Golf von Suez nach Ost- und Südafrika. Doch Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Störche inzwischen immer öfter von diesen traditionellen Fernreisen abweichen. Statt in die afrikanischen Überwinterungsgebiete zu ziehen, kürzen manche Vögel die Strecke ab – und verbringen den Winter zum Beispiel in Spanien. Zum einen finden sie auf den dortigen Müllhalden ausreichend Nahrung, zum anderen sparen sie durch den kürzeren Flug wertvolle Energie. Welche Faktoren aber beeinflussen, wie weit die Störche jeweils ziehen?

Leitvögel fliegen voran

Um das herauszufinden, haben Andrea Flack vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und ihre Kollegen 27 junge Weißstörche auf ihrer ersten Reise vom Bodensee gen Süden begleitet. Mithilfe von GPS-Sendern verfolgten sie dabei, welcher Route die Jungtiere folgten. Außerdem verrieten ihnen Beschleunigungsmesser ganz genau, ob und wie sich die Vögel in der Luft bewegten. Die Auswertung dieser Daten zeigte: Wie sich die Störche beim Winterzug verhalten, hängt offenbar entscheidend von ihren individuellen Flugfähigkeiten ab. So stellten die Forscher fest, dass es in den Reisegruppen der Störche Leitvögel gibt. Diese Tiere zeichnen sich durch besonders effiziente Flugtechniken aus und führen die Gruppe zu Regionen mit günstiger Thermik. Dort befördert aufsteigende Warmluft die Vögel fast automatisch in die Höhe und ermöglicht ihnen die Fortbewegung im energiesparenden Segelflug.

„Die Leitvögel sind die, die die Thermikgebiete ausfindig machen und die geeignetsten Regionen innerhalb der Thermik suchen. Deshalb müssen sie ihre Bahnen immer wieder anpassen“, berichtet Mitautor Máté Nagy von der Universität Konstanz. Die nachfolgenden Tiere profitieren dann von den Erfahrungen der Vorflieger und können sich in regelmäßigen Bahnen nach oben schrauben. Vielen Folgetieren gelingt dies allerdings nicht so perfekt wie den Leitvögeln: „Sie sind etwas langsamer und verlieren schneller an Höhe. Um nicht den Anschluss an die Gruppe zu verlieren, müssen sie mehr mit den Flügeln schlagen und die Aufwindsäule verlassen, noch bevor sie oben angekommen sind“, sagt Nagy. Von der Flugleistung des einzelnen Storchs hängt aber nicht nur seine Position innerhalb der Reisegruppe ab: Wie lange ein Vogel im Segelflug dahingleiten kann, beeinflusst offenbar auch, wo er den Winter verbringen wird. So zeigten die Daten: Tiere, die viel mit den Flügeln schlagen, fliegen weniger weit als solche, die die Thermik besser ausnutzen können.

Stopp in Spanien

Ein Beispiel für diese individuellen Unterschiede sind die im Frühjahr 2014 besenderten Störche Louis und Redrunner, wie die Forscher berichten. Redrunner kommt mit wenigen Flügelschlägen aus und gehört zu den Führungstieren seiner Gruppe. Er legte auf seiner ersten Reise fast 4000 Kilometer zurück und überwinterte in Afrika. Louis dagegen ist eher ein mittelmäßiger Flieger und überbrückte nur rund 1000 Kilometer, bevor er im Süden Spaniens Halt machte anstatt weiterzuziehen. „Die Flugeigenschaften sind für die Position innerhalb der Gruppe von so zentraler Bedeutung, dass wir schon wenige Minuten nach dem Abflug eines Vogels im Herbst vorhersagen können, ob er in Europa überwintern oder nach Westafrika weiterfliegen wird“, berichtet Flack. „Der Weg und das Ziel eines Storchs hängen also unter anderem davon ab, wie effizient er fliegen kann“, fasst ihr Kollege Martin Wikelski zusammen. Sowohl Louis als auch Redrunner sind ihrer Strategie nach der Premiere jedes Jahr treu geblieben, wie das Team berichtet: Das Flugtalent zieht es nach Afrika, den mäßigen Flieger nach Spanien.

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Quelle: Andrea Flack (Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell) et al., Science, doi: 10.1126/science.aap7781

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