Vögel senken in der kalten Jahreszeit Körpertemperatur und Herzschlag Stoffwechsel auf Sparflamme - wissenschaft.de
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Vögel senken in der kalten Jahreszeit Körpertemperatur und Herzschlag

Stoffwechsel auf Sparflamme

Graugänse schalten im Winter ihren Stoffwechsel auf Sparflamme. (Foto: Claudia Wascher/ Anglia Ruskin University)
Energiesparmodus auf die tierische Art: In der dunklen Jahreszeit fahren Graugänse ihren Stoffwechsel herunter. Sie senken Herzschlag und Körpertemperatur und verbrauchen so weniger Energie, wie Biologen herausgefunden haben. Das hilft den Vögeln, den kargen Winter zu überleben.

Säugetiere und Vögel haben ein eingebautes Thermostat, das ihre Körpertemperatur relativ konstant hält. Das ist wichtig, denn es sorgt dafür, dass Körper und Gehirn immer auf der richtigen „Betriebstemperatur“ bleiben. Doch die innere Heizung hat einen gravierenden Nachteil: Sie verbraucht viel Energie. Ausgerechnet in der kalten Jahreszeit müssten diese Tiere daher eigentlich besonders viel fressen. Aber gerade dann ist Futter meist sehr knapp.

Einige Säugetiere wie Siebenschläfer oder Igel umgehen das Problem durch einen Winterschlaf. Andere, wie Hirsche oder Steinböcke, schalten auf Sparflamme: Sie senken Herzschlagrate und Körpertemperatur in Anpassung an Nahrungsknappheit und Kälte im Winter. Viele Vögel dagegen haben als Überlebensstrategie die Flucht nach Süden entwickelt: Sie ziehen im Herbst in wärmere, südlichere Gefilde.

Auf Sparflamme

Unklar war aber, wie es bei den Vögeln aussieht, die im Winter hier bei uns bleiben. Können auch sie in eine Art Energiesparmodus schalten? Und woran erkennen sie, wann dieses Herunterschalten nötig wird? Um das herauszufinden, haben Kurt Kotrschal von der Universität Wien und sein Team 25 Graugänsen hinterher „spioniert“. Sie pflanzten den Vögeln dafür winzige Sensoren unter die Haut, die bis zu 18 Monate kontinuierliche Herzschlag und Körpertemperatur registrierten. Alle Gänse wurden das ganze Jahr hindurch gefüttert, so dass auch im Winter kein Nahrungsmangel herrschte.

Es zeigte sich: Im Laufe des Jahres gab es bei den Graugänsen deutliche Schwankungen bei Temperatur und Puls: Im Winter war beides deutlich niedriger als in der Zeit von Frühjahr bis Herbst. Der Puls der Gänse sank in der kalten Jahreszeit um 22 Prozent gegenüber den Sommerwerten ab, wie die Forscher ermittelten. Die Körpertemperatur war im Schnitt um ein Grad geringer, einige Gänse senkten sie aber in den Winternächten noch wesentlich stärker ab.

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Kurze Tage als Signal

Das aber bedeutet: Auch Graugänse schalten im Winter in einer Art Energiesparmodus – ähnlich wie manche Säugetiere. Sie senken Körpertemperatur und Puls und verringern damit ihren Energieverbrauch. Dadurch benötigen sie im Winter auch weniger zu fressen und erhöhen ihre Überlebenschance in dieser eher kargen Zeit.

Der Auslöser für das Herunterschalten ist dabei offenbar nicht der winterliche Futtermangel selbst, wie die Forscher betonen. Denn ihre Versuchsgänse bekamen ja das ganze Jahr hindurch gleich viel zu fressen. Stattdessen scheint der sich im Laufe der Jahreszeiten verändernde Tag-Nacht-Rhythmus als Zeitgeber zu dienen: Werden die Tage kürzer, regeln die Vögel ihren Stoffwechsel herunter. Die individuelle Feinregulierung wird allerdings von Wetter, sozialer Situation und anderen Faktoren beeinflusst.

Quelle: Universität Wien, Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-018-20655-z

© natur.de – Nadja Podbregar
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