Kinotipp Strom der Begierde - wissenschaft.de
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Kinotipp

Strom der Begierde

Rheingold
Rheingold
Der Rhein hat viele Facetten, sein Wesen, seine Mythen, seine Beziehung zu den Menschen – all das fördert der Kinofilm „Rheingold – Gesichter eines Flusses“ in perfekt komponierten Kameraaufnahmen aus der Luft zu Tage. Prädikat: Sehenswert!

Das Edelmetall lässt sich tatsächlich aus dem Fluss holen, die Firma Holcim in Rheinzabern – Deutschlands einziger offizieller Goldproduzent – tut das sogar mit einer Lizenz. Die Firma schürft in einem Kieswerk nach sogenanntem Seifengold, versteckt in Sanden und Kiesen, die der nahe Rhein einst hierhergebracht hat. Ist dort der Schatz, der auf dem Grund des Rheins versteckt liegen soll, die 144 Wagenladungen voll Gold, um die sich in Wagners Opern alles dreht, die jeder finden und daraus Profit schlagen möchte?

Kein Goldschatz, aber nicht minder wertvoll

Darauf erhält der Kinobesucher in „Rheingold“ natürlich keine Antwort. Die Filmemacher Peter Bardehle und Lena Leonhardt bergen einen ganz anderen Schatz. Und der ist nicht minder wertvoll. Es ist der Rhein selbst, sein Wesen, seine Mythen, seine Beziehung zu den Menschen, die seit Jahrhunderten an seinen Ufern lagern – all das fördern sie in perfekt komponierten Kameraaufnahmen aus der Luft zu Tage.

Mit Leichtigkeit fliegt Bild um Bild am Betrachter vorüber, jedes fängt eines der vielen Gesichter des Flusses ein – wild in den Alpen, sagenhaft grün zwischen Konstanz und Basel, romantisch zwischen Mainz und Bonn, geschäftig zwischen Köln und Duisburg, still und mächtig auf dem Weg in die Nordsee. Immer mehr Menschen begegnet der Rhein auf seinem Weg, Städte haben sich in seine Ufer gerammt, ein vermeintlich gebändigter Fluss, der nur noch Halbkreis und Gerade kennt. Riesige Lastkähne füttern den Strom mit Geröll, weil der kanalisierte Fluss sein eigenes Kiesbett stetig abträgt.

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Rheingold Ben Beckers

Ben Beckers hat dem Rhein seine Stimme geliehen

Doch dieser Film ist weit mehr als eine Rheinreise aus der Vogelperspektive, versetzt mit Doku-Elementen. Da würden 90 Minuten zäh werden. Alles ist ziemlich geschickt mit Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ verwoben. Fein eingestreut, so dass es nur selten aufdringlich zu werden droht, rufen Kommentar und Filmmusik die Themen und Motive der Tetralogie in Erinnerung: Streben, Kampf, Liebe, Untergang und Neubeginn, die großen Themen einer Heldengeschichte, eines Dramas um die Jagd nach Gold.

Ein Drama, das sich seit Jahrhunderten an den Ufern des Rheins abspielt. Das Rheingold der Moderne hat viele Gesichter. Strom, Braunkohle, Stahl  die Gier danach war groß. Wo früher Urwaldgebiete waren, säumen heute Schlote das Rheinufer. Der Fluss hat viel erlebt, im Film bekommt er sogar eine eigene Stimme, besser gesagt Ben Beckers warme, tiefe Stimme säuselt aus dem Lautsprecher. Geheimnisvoll berichtet der alte Zeitzeuge der Natur.

Eine geistreiche, mit viel Pathos erzählte Dokumentation, die es schafft, nicht ins Kitschige abzudriften.

 

Peter Bardehle und Lena Leonhardt (Buch und Regie), Peter Bardehle (Produktion):

Rheingold – Gesichter eines Flusses

Ab 21. August 2014 im Kino


Fotos: Christian Augustin/API, Vidicom Media GmbH/Senator Film

© natur.de – Tania Greiner
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