Diskrepanzen zwischen offizieller Kennzeichnung und wirklichem Ökostrom-Anteil Stromanbieter: Wie grün ist ihr Strom wirklich? - wissenschaft.de
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Diskrepanzen zwischen offizieller Kennzeichnung und wirklichem Ökostrom-Anteil

Stromanbieter: Wie grün ist ihr Strom wirklich?

Die offiziellen Angaben zum Strommix geben nicht immer Auskunft über den tatsächlichen Ökostrom-Anteil (Foto: focus finder/ Fotolia)
Der Energiemix vieler Stromanbieter ist klimaschädlicher als es die offizielle Kennzeichnung ausweist. Denn per Gesetz werden pauschal bis zu 45 Prozent EEG-Grünstrom ausgewiesen – unabhängig vom wirklichen Anteil. Wie hoch die Diskrepanzen sind, zeigt nun ein Klima-Check.

Die Regeln sind klar: Jeder Stromversorger muss zum 1. November eines Jahres eine gesetzliche Stromkennzeichnung veröffentlichen. Im dieser müssen die Anbieter ausweisen, aus welchen Quellen sie die Energie für ihre Kunden beschaffen und wie hoch die durchschnittlichen CO2-Emissionen aller angebotenen Stromprodukte sind.

„Pflichtanteil“ sorgt für Verwirrung

Doch das Ganze hat einen Haken: Weil der nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) geförderte Ökostrom rein rechnerisch auf alle Stromkunden in Deutschland verteilt wird, muss auch der Stromanbieter eine entsprechende Umlage zahlen. Im Gegenzug darf er einen grünen EEG-Stromanteil von 46 Prozent ausweisen – egal ob er wirklich so viel Ökostrom einkauft oder nicht. Bereits Anfang 2017 hieß es dazu in einer Studie des Hamburg Instituts: „Die tatsächliche Beschaffungspolitik eines Stromanbieters wird von der Stromkennzeichnung immer weniger abgebildet.“

Ob und wie stark die Abweichungen zwischen offizieller Stromkennzeichnung und tatsächlichem Strommix sind, hat der Ökostromanbieter Lichtblick nun für die großen Versorger in Deutschland ermittelt – wohl nicht ganz uneigennützig. Für ihren Klima-Check werteten sie die offiziellen Angaben zum Strommix aus und ermittelten, welchen Strom 50 große Stromanbieter tatsächlich für ihre Kunden an der Strombörse oder bei Produzenten einkaufen.

Weniger öko als angegeben

Das Ergebnis: Die Stromprodukte der meisten Energieanbieter enthalten deutlich mehr Kohlestrom und weniger Ökostrom als in der gesetzlichen Stromkennzeichnung angegeben. Dadurch liegen auch die CO2-Emissionen für den Strommix meist deutlich höher als angegeben. Das bedeutet: Die meisten Verbraucher verursachen durch ihren Strombezug größere Umweltschäden als sie möglicherweise annehmen.

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Vattenfall zum Beispiel gibt in seiner Stromkennzeichnung einen Ökostromanteil von insgesamt 50 Prozent an. Tatsächlich hat der Versorger nach Angaben von Lichtblick nur 17 Prozent Ökostrom für seine Kunden beschafft. Den klimaschädlichsten Strom aller untersuchten Versorger liefert Lichtblick zufolge die RWE-Tochter innogy. Im Durchschnitt verursacht jede Kilowattstunde Strom von innogy 813 Gramm CO2. Das sind 64 Prozent mehr als der offizielle Wert von 495 Gramm.

Höhere durchschnittliche CO2-Emissionen als offiziell angegeben verursachen auch die Stromangebote bekannter Anbieter wie Aldi Süd (Pfalzwerke), EWE, Vattenfall, Eon, E wie Einfach, DB Energie und Yello Strom. Beim Anbieter eprimo liegt der tatsächliche CO2-Austoß sogar 83 Prozent über dem im Anbieter-Strommix veröffentlichten Wert.

Strommix

Realer Anteil von Ökostrom und konventionelem Strom und CO2-Ausstoß der „dreckigsten“ Anbieter. (Grafik: Lichtblick)

Mehr Transparenz nötig

Allerdings: Urheber dieser Irreführung sind nicht allein die Stromanbieter: Weil sie an die Vorgaben des Gesetzgebers gebunden sind, enthält ihre Stromkennzeichnung zwangsweise den EEG-Ökostromanteil, wie die Deutsche Umwelthilfe bereits Anfang 2017 erklärte. Das Problem aber ist: Es gibt einige Stromkonzerne, die aktiv mit einem angeblich hohen Ökostromanteil werben. Einige behaupten sogar, ihr Strommix sei „grüner“ als bei anderen deutschen Anbietern – ohne dass dies tatsächlich der Fall ist.

Um diese Praktiken zu verhindern und den Strommix transparenter zu machen, fordert Lichtblick die künftige Bundesregierung auf, sich für eine transparente und ehrlichere Stromkennzeichnung einzusetzen. Künftig sollen die Versorger nur die Energiemengen ausweisen dürfen, die sie auch tatsächlich für ihre Kunden beschaffen und den CO2-Ausstoß korrekt angeben. „Auch beim Strom darf nur das draufstehen, was drin ist“, sagt Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft bei LichtBlick.

Quelle: Lichtblick

© natur.de – Nadja Podbregar
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