Interview mit einem Dinosaurier "T-Rex ist ein Angeber" - wissenschaft.de
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Interview mit einem Dinosaurier

„T-Rex ist ein Angeber“

Der Spinosaurus über seinen ärgsten Rivalen, über Hollywood und die Vorteile eines ordentlichen Rückensegels.

Die italienischen Paläontologen Cristiano dal Sasso und Simone Maganuco haben ein paar Ihrer Knochen neu vermessen und herausgefunden, dass Sie bis zu 17 Meter lang waren.

Sieh mal einer an.

Und Ihr Schädel war auch größer als der des T-Rex: fast zwei Meter lang, mit einer spitzen Schnauze wie bei einem Krokodil.

Na logisch.

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Fühlen Sie denn jetzt Genugtuung?

Ich will Ihnen mal was sagen. Wenn ich das in meinem Alter von 100 Millionen Jahren nicht alles distanziert sehen würde, müsste ich mich ständig aufregen. Dieses ewige Getue um T-Rex ging mir gewaltig auf den Keks. Schon der Name ist ja ein Fehlgriff. König und Tyrann, haha! Was ist das für ein König, der irgendwann in der Oberkreide mal kurz auf der Bühne erscheint, sich wichtig macht und nach drei Millionen Jahren schon wieder ausstirbt? Lächerlich! Sie wissen hoffentlich auch, dass unser Rexilein gar nicht der gefürchtete Jäger war, als der er oft dargestellt wird?

Man hat davon gehört, ja.

Er hatte einen kräftigen Kiefer, das war alles. Aber er hat sich halb tote Viecher gesucht, die in der Gegend rumlagen, und diese aufgebissen. Ein Panzerknacker, dumm wie Brot. Mit albernen Stummelärmchen. Und obendrein vollkommen nackt. Der hätte zu unserer Zeit keinen Stich gemacht bei den Weibchen.

Während Sie…

… während ich erstens Zeit meines Lebens gejagt und gefischt habe, wie sich das für einen Mann gehört, zweitens lange Vorderarme hatte mit ordentlichen Muskeln und drittens ein todschickes Rückensegel.

Und wozu war das gut?

Die Dinger waren immer multifunktional. Man ließ da das Blut durchfließen, dann konnte man sich morgens schneller aufheizen. Und wenn es zu heiß war, konnte man es eben auch kühlen. Aber vor allem fanden die Frauen das toll. Zu unserer Zeit hatte man so was eben.

Immerhin gab es schon Versuche, Sie zu rehabilitieren. Im Kinofilm „Jurassic Park“ durften Sie Tyrannosaurus eins auf die Mütze geben.

Na super, in der dritten Folge, die nicht mehr Steven Spielberg gedreht hat, sondern irgendein Regieknecht. Und nachdem in der zweiten Folge Rexilein seinen Starauftritt haben durfte. Aber das war ja sowieso Quatsch. In Wahrheit sind T-Rex und ich uns nie begegnet. Wir lebten nicht nur auf verschiedenen Kontinenten, ich war auch 30 Millionen Jahre früher dran als er. Na ja, Hollywood, was soll man sagen.

Ohne Sie jetzt kritisieren zu wollen – aber man hätte Ihre wahre Bedeutung natürlich leichter erkannt, wenn es mehr Fossilien von Ihnen gäbe. So hat man nur ein paar Knochen und Zähne.

Ist ja nicht meine Schuld. Warten Sie mal ab, bis endlich ein vollständiges Skelett gefunden wird.

Und wann wird das der Fall sein?

Keine Ahnung. Das hängt natürlich auch davon ab, wie eure Paläontologen sich anstellen. Aber ich denke, es wird irgendwann passieren. Wahrscheinlich in Marokko, wenn sie da mal endlich ordentlich graben.

Wir werden also noch von Ihnen hören?

Worauf Sie sich verlassen können.

Das Gesprach führte Martin Rasper.

© natur.de – Martin Rasper
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