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Tigerschutz mittles Geschäftchen

Ausgerechnet ihre Hinterlassenschaften könnten dazu beitragen, die letzten Tiger vor dem Aussterben zu bewahren: Mit Hilfe ihrer Kotspuren lässt sich nämlich einfach und kostengünstig herausfinden, wie viele Tiger in einem bestimmten Gebiet leben, haben indische Forscher gezeigt. Diese Information ist entscheidend, um effektive Schutzmaßnahmen für die in Asien lebenden Raubkatzen einleiten zu können. Momentan zählen Forscher die Tiger entweder anhand ihrer Fußspuren, oder sie versuchen, die Katzen mit Hilfe von Kamerafallen zu filmen. Vor allem letzteres ist recht kostenintensiv, die Kotspuren wären daher eine günstige Alternative, berichtet das Team um Yadvendradev Jhala vom Wildlife Institute of India.

Die größten Raubkatzen der Welt sind vom Aussterben bedroht: Bereits jetzt leben nur noch etwa 3.200 Tiger in freier Wildbahn. Mehr als die Hälfte von ihnen streifen durch die Wildnis Indiens – auf einer gigantischen Gesamtfläche von über 100.000 Quadratkilometern. Das macht die Überwachung der Tiere nicht gerade einfach, zumal die Großkatzen nachtaktive Einzelgänger sind. „Solange wir nicht wissen, wie viele Tiger in den Wäldern leben und ob es im Laufe der Zeit mehr oder weniger Tiere werden, sind wir nicht in der Lage, sie zu beschützen“, sagt Jhala.

Bisher identifizierte die Tierschutzbehörde die Katzen entweder anhand der Fußspuren oder aber über Kamerafallen. Doch das war nicht nur teuer, sondern erforderte auch viele qualifizierte Mitarbeiter. Daher testeten die Forscher jetzt eine neue Methode: In 21 unterschiedlichen Gebieten Nord- und Zentralindiens sammelten sie sowohl die Fußspuren als auch den Kot der Tiger. Sie verglichen die Daten mit denen, die sie in früheren Studien mit Hilfe von Kamerafallen an den gleichen Stellen registriert hatten. Das Ergebnis: Die neue Methode war genauso zuverlässig – und das zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten. Denn um die Daten über Kamerafallen zu sammeln, mussten die Forscher ganze 17.000 US-Dollar aufbringen, wohingegen jetzt nur noch 1.240 US-Dollar nötig waren.

Die Studie macht den Wissenschaftlern Hoffnung auf Rettung des Tigers und anderer gefährdeter Arten: „Wir haben einen neuen kostengünstigeren Weg gefunden, um die Tiger-Populationen nicht aus den Augen zu verlieren und den Erfolg von Artenschutzprogrammen zu messen“, erklärt Jhala. „Diese Methode könnte auch angewendet werden, um andere vom Aussterben bedrohte Arten zu beobachten.“

Yadvendradev Jhala (Wildlife Institute of India) et al.: Journal of Applied Ecology, Onlinevorabveröffentlichung, 10.1111/j.1365-2664.2010.01901.x dapd/wissenschaft.de ? Peggy Freede
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