Tigerzucht um jeden Preis - wissenschaft.de
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Tigerzucht um jeden Preis

Im Nordosten Chinas blüht die Tigerzucht – für den Tourismus und angeblich auch für die Auswilderung. Westliche Forscher misstrauen dem Konzept.

Rumpelnd gibt das automatische Tor den Weg in den Tiger-Park frei – und wir fahren mit unseren stahlgittergeschützten Jeeps hinein. Zurzeit sind keine Touristen im Park, und so gibt das Personal sich keine große Mühe. Ein Ranger schmeißt einem Dutzend dösender Sibirischer Tiger einen lebenden Fasan vor. Für Schaulustige, die bereit wären, 250 US-Dollar für eine blutige Schau zu investieren, hätte man auch einen Bullen freigelassen, aber so bleibt es bei dem mageren Vogel. Einer der Tiger entschließt sich, den Fasan zu jagen, und springt hinter ihm her, doch der Vogel verkriecht sich unter dem Jeep – und der Tiger kracht dumpf gegen das Auto. Während die große Raubkatze den Staub abschüttelt, verschwindet ihre Beute hinter einem Busch. Der Tiger trottet zu seinem Liegeplatz. Ganz offensichtlich ist ihm der Fasan nicht die Mühe wert.

Wozu auch? Schließlich sind hier alle Tiger wohlgenährt, vor allem dank der 300 000 Touristen, die jedes Jahr den Tiger-Park des Hengdaohezi Feline Breeding Centre im Nordosten Chinas besuchen. Das Institut hat beachtliche Erfolge vorzuweisen, zumindest in quantitativer Hinsicht: 1986 hat man mit acht Sibirischen Tigern angefangen, jetzt leben hier 800 der Großkatzen. In allen US-Zoos zusammengenommen gibt es nur etwa 150 von ihnen, in Deutschland 62. Hengdaohezi in der Nähe der Stadt Harbin ist die größte Tigerzucht-Anlage der Welt. 2007 wurden hier über 100 Junge geboren. Doch inzwischen ist der Park heftig in die Kritik geraten. Wie sich gezeigt hat, können chinesische Wissenschaftler in der Tigerzucht noch lange nicht mit westlichen Standards Schritt halten. Hinzu kommt, dass man viele Dinge in China anders sieht, zum Beispiel Natur- und Artenschutz und dessen Verquickung mit Politik und Kommerz.

SCHWARZER Markt Für Tigerwein

Hengdaohezi wurde ursprünglich als Staatsunternehmen gegründet, um aus dem Handel mit Tigerteilen Kapital zu schlagen. Körperteile der großen Katzen gelten in der traditionellen chinesischen Medizin als Heilmittel gegen viele Krankheiten, von Rheuma bis Impotenz. Als der Handel 1993 verboten wurde, verlegte sich der Park auf Tourismus und deckt damit heute etwa 80 Prozent seiner 4 Millionen US-Dollar Betriebskosten pro Jahr. Aber das soll langfristig nicht so bleiben. Wang Wei, stellvertretender Direktor der staatlichen Forstverwaltung in Peking, kündigte vor Kurzem die baldige offizielle Wiedereinführung des Tigerhandels an.

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Unter der Hand war es mit diesem Handel nie ganz vorbei. Spaziert man durch die Altstadt von Harbin, winken zuerst alle Verkäufer ab, wenn man nach Tigerprodukten fragt. „Verboten“, heißt es. Zückt man jedoch Dollar-Noten, verschwindet der Ladeninhaber kurz und kommt mit einigen Flaschen „Tigerwein“ zurück. Zwei Stück sollen 100 US-Dollar kosten. „Sehr gute Qualität“, versichert der Händler, „die Tiger stammen aus dem Hengdaohezi-Park.“ Ob das in diesem Fall wahr ist oder nicht: Viele Tigerprodukte enthalten tatsächlich Bestandteile der streng geschützten Raubkatzen, und oft führen die Spuren zu Zuchteinrichtungen. In einer Tigerfarm in der Provinz Guangxi wurden im August 2006 sogar 400 Fässer Tigerwein entdeckt. Für jedes Fass war ein Tigerkadaver ausgekocht worden. Von einer Legalisierung des Handels erhoffen sich die Behörden eine Abnahme der Wilderei. Die Produkte aus den Zuchtparks würden den Markt sättigen, glauben sie. Westliche Experten wie John Goodrich, Artenschutzexperte der Wildlife Conservation Society in New York, befürchten dagegen einen Dammbruch: „Man kann den Markt nicht befriedigen, die Nachfrage ist zu groß. Es wäre verheerend für die Wildtiere.“ In Hengdaohezi ist man auf die Legalisierung jedenfalls gut vorbereitet. In einem großen Gefrierraum abseits der Touristenströme liegen 200 eingefrorene Tigerkadaver, wie Xu Yanchun, Genetiker von der nahe gelegenen Northeast Forestry University in Harbin und Zuchtberater des Parks, berichtet. Sie warten auf die Verarbeitung zu Tigerprodukten. „Wir wollen tote Tiger nutzen, um lebende zu schützen“, verteidigt Liu Dan, leitender Wissenschaftler des Parks, die Pläne, denn mit dem Geld könne man die Forschung und den Artenschutz vorantreiben.

Wilde Tiger Treiben Inzucht

„Unser Ziel ist es schließlich, die Tiere wieder in der Wildnis anzusiedeln“, sagt Liu Dan. In China leben wahrscheinlich noch 50 Sibirische Tiger und in Russland etwa 500. Für die Freilassung gefangener Tiere sprechen zurzeit vor allem genetische Gründe: 2004 veröffentlichten Michael Russello und seine Kollegen von der Yale University in New Haven, Connecticut, eine Untersuchung im Fachblatt Conservation Genetics. Sie zeigte, dass von 60 getesteten wilden Sibirischen Tigern alle außer zwei den gleichen „Haplotyp“, also dieselbe genetische Ausstattung, in ihren mitochondrialen Genen haben. Mitochondriale Gene werden nur über die Mutter vererbt, die 58 Tiere gehen also auf eine gemeinsame Stamm-Mutter zurück. „Die genetische Vielfalt ist damit extrem niedrig“, erklärt Russello. Seine Daten zeigen aber auch, dass die genetischen Unterschiede bei gefangenen Tigern, zumindest bei denen in Nordamerika, größer sind als bei ihren frei lebenden Artgenossen. Aber eignen sich die 800 Großkatzen in Hengdaohezi für eine Gen-Auffrischung? „Schon das reine Halten der Tiere in Gefangenschaft kann dem Artenschutz dienen – solange die Stammbäume genau verfolgt werden und man die Paare so zusammenstellt, dass maximale Vielfalt garantiert ist“, sagt Shujin Luo, US-Genetikerin am Labor für Genom-Vielfalt am Staatlichen US-Krebsinstitut (NCI) in Frederick, Maryland.

Genau das scheint aber in Hengdaohezi nicht der Fall zu sein. Obwohl Luo – wie Russello und andere westliche Forscher – zurzeit die genetischen Variationen von wilden und gefangenen Sibirischen Tigern vergleicht, rückt man in Hengdaohezi keine Blutproben heraus. Nur Genetiker Xu Yanchun aus Harbin hat Material erhalten. Er verfügt über 500 Blutproben aus der Zuchtanlage und will im Laufe dieses Winters eine komplette Genbank der Bestände anlegen. Xu ist zuversichtlich, was die Gen-Vielfalt der gefangenen Tiger angeht, obwohl er sie noch nicht komplett analysiert hat. „Ich bin mir ganz sicher, dass die genetische Vielfalt größer als in der Wildnis ist, denn die Anlage wird gut gemanagt“, sagt er.

Wenn der Löwe mit der Tigerin …

Bei der Einschätzung, was gutes Management einer solchen wissenschaftlichen Anlage ist, gehen die Ansichten chinesischer und westlicher Forscher allerdings weit auseinander. In China scheint man viel auf Masse und Spektakel zu setzen. Ein Beispiel ist das Liger-Gehege: Touristen lieben es. Sie können gar nicht genug Schnappschüsse schießen, während ihr Bus durch die Gruppe von Tigern, Löwen und ihrem Nachwuchs an Bastarden rollt. Die riesigen Liger sind die Sprösslinge von männlichen Löwen und Tiger-Weibchen. Solche Hybride sind beeindruckend anzuschauen. Dass sie hier gezüchtet werden, zeigt aber auch deutlich, wie wenig in Hengdaohezi Artgrenzen respektiert werden. In der Anlage leben außerdem Bengaltiger (Königstiger), eine indische Unterart – und Mischlinge von ihnen und Sibirischen Tigern sind nur schwer von reinen Sibirischen Tigern zu unterscheiden.

Wenn man Tiere auswildern will, sollten es jedoch genau die Unterarten sein, die an den Lebensraum optimal angepasst sind. Generell sind Zuchtstrategien in Hengdaohezi kaum vorhanden, wenn man sie mit westlichen Standards vergleicht. In europäischen und US-Zoos benutzt man Computermodelle, um herauszufinden, welche Tiere miteinander gepaart werden sollen. Es gibt Zuchtbücher, anhand derer man den Stammbaums jedes Tiers zurückverfolgen kann. Nicht so in Hengdaohezi. Liu Dan muss eingestehen, dass das Zuchtzentrum weder kontrolliert, welches Tier sich mit welchem gepaart, solange es nicht Bruder und Schwester sind, noch irgendein Protokoll führt: „Wir haben einfach nicht die Möglichkeit dazu.“ „Zurzeit paaren die sich alle völlig planlos“, sagt Liu Yutang, Genetiker an der Northeast Forestry University. „ Wir müssen warten, bis unsere Technologie besser ist, um zu kontrollieren, welche Tiger miteinander Nachwuchs gezeugt haben.“

In der Praxis ist das nicht einfach. In den Gehegen kann sich eine Tigerin mit mehren Männchen paaren, wenn sie rollig ist. So weiß am Ende keiner, wer wirklich der Vater der Jungen ist. Dazu kommt, dass das chinesische Zuchtzentrum nur selten Tiere mit anderen Tigerzucht-Anlagen austauscht. „In Europa und Nordamerika schicken die Zoos ihre Tiger bis zu zweimal im Leben auf Reisen, damit sie sich anderswo paaren können. Die Jungen geben sie dann wiederum weiter“, erklärt Peter Müller, vormals Direktor des Leipziger Zoos, der auch als Pensionär das internationale Zuchtbuch für Tiger weiterführt. „Wenn eine Einrichtung nicht die im Zuchtbuch erfassten Eltern oder die Vorfahren bis hin zu genau dokumentierten Wildfängen, belegen kann, dann kann ich sie für das Zuchtbuch nicht akzeptieren. Werden die Paarungen nicht richtig gemanagt, verliert man die genetische Vielfalt. Es kommt zu Inzucht.“ Die Zuchtanlage in Hengdaohezi meldet dem internationalen Zuchtbuch, an dem fast alle europäischen und US-Zoos mitarbeiten, überhaupt keine Tiere. Zuchtberater Xu weigert sich, die Standard-Software SPARKS des Zuchtbuchs zu benutzen.

„Das Programm berechnet den Inzucht-Koeffizienten für jedes Tier“, erklärt Müller. „Die Vorhersagen von SPARKS sind nicht genau“, sagt dagegen Xu und verweist auf nicht publizierte eigene Untersuchungen. Sie hätten ergeben, dass es so etwas wie „ selektive Befruchtung“ gibt: Ein Spermium, das dem Gen-Typ des Weibchens ähnelt, habe schlechtere Chancen, im Eileiter zu überleben als andere Spermien. „SPARKS geht davon aus, dass alle Gen-Varianten zufällig weitervererbt werden. Das stimmt nach meiner Selektionstheorie aber nicht“, sagt der chinesische Forscher. Aber sogar von einheimischen Kollegen werden Xus Behauptungen über die angeblich hohe genetische Vielfalt im Park bezweifelt.

Liu Yutang meint, dass die körperlichen Probleme der Tiere durch Inzucht nicht mehr zu übersehen sind: „Einige Tiger kränkeln, haben untypische Streifungen, eine hohe Jungen-Sterblichkeit und ein schwaches Immunsystem. Und wenn sie alle miteinander verwandt sind, ist es für einen Erreger einfacher, sie alle auszulöschen.“ So habe es bereits Todesfälle durch Vogelgrippe- und Hunde-Parvoviren gegeben. Leiter Liu Dan sagt, er wisse nichts von solchen Todesfällen, Xu räumt dagegen einige Dutzend im Jahr 2005 ein. Xus Arbeiten über die genetische Fitness der Hengdaohezi-Tiger sind bislang von keinem westlichen Fachblatt zur Veröffentlichung akzeptiert worden. US-Forscherin Luo hat einige seiner Manuskripte gelesen und sie als ungenügend abgelehnt: „Wir kriegen alle paar Monate Artikel zur Veröffentlichung aus China zum Thema Tiger zugeschickt, aber die Qualität ist durchweg enttäuschend.“

riesen-SpermaSpritze mit kamera

Um das Zentrum bei der Zuchtplanung auf westliche Standards zu heben, arbeitet Liu Yutang an neuen Techniken. In seinem Büro an der Universität führt er seine jüngste Entwicklung vor: eine Riesen-Spermaspritze, ausgestattet mit Videokamera und Licht. Sie soll bei der künstlichen Befruchtung helfen. Außerdem will er eine Samenbank aller Tiger in Hengdaohezi anlegen, mit dem Fernziel, Sperma von Wildtigern zu sammeln. Bis dahin gibt es aber noch viel zu lernen. „Unser Team hat noch nicht alle Grundlagenkenntnisse, um Tigersperma zu gewinnen“, gesteht er ein. So enthielten von den bislang gesammelten 23 Proben 8 überhaupt kein Sperma. Unabhängig vom genetischen Zustand der chinesischen Farm-Tiger bezweifeln westliche Experten, dass eine Auswilderung mit den bislang großgezogenen Tieren und unter den heutigen Lebensbedingungen sinnvoll ist. Die Chinesen haben in der Vergangenheit zwar versucht, einigen Tieren das Leben in der Wildnis nahezubringen, zum Beispiel in kleinen Wildgehegen in der Mandschurei und sogar in Südafrika, wo es reichlich Wild für Jagdübungen gibt. „Aber diese Tiere haben den Kontakt zum Menschen nie verloren“, meint Müller. „Sie werden verheerende Schäden in den Dörfern anrichten, wenn man sie frei lässt, denn sie sind gewohnt, Hühnchen zu fressen und auf Autos zu springen“, pflichtet ihm John Goodrich bei.

„Wenn man große Raubtiere auswildern will“, sagt Peter Müller, „dann müssen sie isoliert von Menschen nur von ihren Eltern großgezogen werden, in einem Gebiet mit ausreichend Platz und ausreichend Beute. Sie dürfen sich nicht an Menschen gewöhnen. Wenn man Tiger frei lässt, die Menschen mit Nahrung verbinden, dann geht das unglücklich aus – für Tiger und Menschen.“ „ Außerdem gibt es überhaupt keinen Grund, Tiger in China freizulassen, solange dort Tiere aus Russland einwandern“, meint Goodrich. In beiden Ländern haben die Behörden die Wilderei inzwischen einigermaßen unter Kontrolle. Sie bleibt zwar eine Gefahr, aber in China liegt das Hauptproblem anderswo: In dem riesigen Land fehlen Wildnis-Regionen mit genügend Wald und Beute für die großen Jäger. Es sind Spätfolgen der Politik Maos, der in Wildtieren und -pflanzen Konkurrenten des Menschen sah und deren Ausrottung befahl. Noch heute sind viele Regionen wildfrei, und auch in manchen neu angepflanzten Wäldern gibt es keine Vögel oder Säugetiere.

Mit seinen verwirrenden Zuchtkonzepten und den Plänen, Tigerkörperteile zu vermarkten, scheint Hengdaohezi kein guter Platz für Tiger zu sein. Aber ihr Schicksal in der Natur ist zurzeit noch unsicherer – und so ist es wahrscheinlich ein Glück, dass Auswilderungspläne bislang vor allem Show sind. Laut chinesischen Medienberichten sollen zwar angeblich 600 Tiger freigelassen werden – rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Aber in der Tiger-Zuchtanlage gibt es bislang weder eine Arbeitsgruppe für dieses Projekt noch wurden Orte für die Auswilderung ausgewählt oder Trainingsgehege für die Tiger eingerichtet, in denen sie das Überleben in Freiheit lernen können. Liu Dan verteidigt die Pläne trotzdem: „Wenn wir die Tiger nicht für ein großes Ziel züchten würden, was würde uns dann von irgendeinem Tierpark unterscheiden?“ ■

Jerry Guo, Wissenschaftsjournalist in New Haven, Connecticut, spricht fließend chinesisch. So gelangte er in China an Informationen, die anderen verborgen bleiben. bdw-Korrespondent Thomas Willke übersetzte und ergänzte Guos Text, der zunächst im Fachblatt Nature erschien.

Jerry Guo und Thomas Willke

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· Sibirische Tiger, auch Amur-Tiger genannt, sind die größten Raubkatzen der Erde.

· Sie sind mit einer Körperlänge von über 2 Metern und einem Gewicht von bis zu 300 Kilo bei den Männchen und 160 Kilo bei den Weibchen deutlich größer als die südlichen Unterarten. Gegen die Kälte Sibiriens schützt sie ein dichtes Fell und eine 5 Zentimeter dicke Speckschicht.

· Ein Tiger braucht ein Jagdrevier von mindestens 100 Quadratkilometern.

· Tiger sind Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit leben männliche und weibliche Tiere für ein paar Tage zusammen. Die Männchen verteidigen ihr Revier und töten dabei auch andere Männchen. Das macht die Auswilderung schwierig, wenn nicht genügend Jagdraum vorhanden ist.

· Tiger werden 15 bis 20 Jahre alt und sind mit 4 Jahren geschlechtsreif.

· Tiger gehen Menschen meist aus dem Weg. Nur im dicht bevölkerten Bangladesh leben Menschen und Tiger so dicht zusammen, dass es tödliche Unfälle gibt.

· In China wurden die Tiger ab den Sechzigerjahren auf Befehl Maos gezielt ausgerottet – wie viele andere Wildtiere auch.

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Etwa 100 000 Tiger zogen um 1900 durch weite Teile Ost- und Südasiens. Heute sind es nur noch etwa 3000 in fünf Unterarten. Hinzu kommen etwa 11 000 Tiere in Zoos, Parks und bei Privatpersonen. In der Wildnis ausgestorben ist wahrscheinlich der Südchinesische Tiger. Die Karte zeigt die Gebiete Südchinas, in denen die Tiere vor 20 Jahren zuletzt gesichtet wurden. In Gefangenschaft gibt es noch 66 Südchinesische Tiger. Sie leben alle in chinesischen Zoos. Nach offiziellen Angaben leiden sie unter Inzucht, hoher Sterblichkeit und niedriger Fruchtbarkeit. Die meisten sind zudem Bastarde aus Kreuzungen mit anderen Unterarten. Relativ stabil sind die Tiger-Bestände nur in Sibirien, Nepal und Bangladesh. Wilderei und mangelnder Lebensraum sind die Hauptgründe für den Schwund der großen Raubkatzen.

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Herr Müller, sind Tiger schwer zum Sex zu bewegen?

Nein, ganz im Gegenteil. Vor allem der Sibirische oder Amur-Tiger ist sehr fortpflanzungsfreudig.

Was bedeutet das für die Zoos?

Wir müssen inzwischen darauf achten, dass wir nicht zu viele Tiere in die Welt setzen. Sonst werden wir sie kaum noch los. Früher haben die Safariparks viele genommen, aber deren Bedarf ist, genau wie der von Zoos, inzwischen gedeckt. Früher hat man die Jungen schon nach einem halben Jahr von der Mutter getrennt, damit diese schneller wieder empfängnisbereit wurde. Heute lassen wir die Jungen zwei Jahre bei der Mutter, genau wie in der Natur. Eine Tigerin hat dann drei bis vier Würfe in ihrem Leben, so alle drei bis vier Jahre.

Dann gibt es für Hilfsmittel zur künstlichen Befruchtung, wie sie im Tigerpark bei Harbin entwickelt werden, eigentlich keinen Bedarf?

Künstliche Befruchtung ist beim Amur- Tiger völlig überflüssig. Sie könnte unter Umständen für die sehr bedrohten Unterarten wie den Sumatra-Tiger wichtig werden. Von ihnen gibt es nicht mehr so viele, und bei ihnen haben wir eine hohe Sterblichkeit der Jungen.

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· Nur noch 50 Sibirische Tiger leben wild im Nordosten Chinas, und ihre genetische Vielfalt ist bedroht.

· Im Tigerpark Hengdaohezi bei Harbin hat man deshalb ein ehrgeiziges Nachzuchtprogramm gestartet.

· Experten befürchten jedoch, dass hier Marktinteressen vor Naturschutz gehen.

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