Tödliche Hilfe - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Umwelt+Natur

Tödliche Hilfe

_lpest.jpg
Spezielle Reinigungsmittel sollen Ölteppiche auflösen, verursachen aber neue Probleme.
Nach Tankerunglücken werden Ölteppiche häufig mit Hilfe von Reinigungsmitteln aufgelöst. Eben diese Reinigungsmittel töten jedoch zunächst mehr Fische, als durch das Öl selbst verenden würden, fanden kanadische Wissenschaftler bei Versuchen mit Regenbogen-Forellen heraus. Die Giftigkeit von Dieselöl erhöhte sich durch die Reinigungsmittel um das Hundertfache. Der Grund dafür: Die Reinigungsmittel senken die Oberflächenspannung von Wasser und Öl, wodurch sich das Öl in feinsten Tröpfchen mit dem Wasser vermischt. Dadurch gelangen schädliche Stoffe leichter ins Gewebe. Langfristig gesehen dürften jedoch die positiven Effekte der Reinigungsmittel überwiegen, berichten die Forscher um Peter Hodson von der Queen’s University in Kingston.

Bereits eine Konzentration von 10 Milligramm Öl je Liter Wasser rief Schädigungen der Embryonen hervor und beeinträchtigte die Entwicklung und die Größe der Fische, wenn Reinigungsmittel im Spiel waren. Ab einer Konzentration von 100 Milligramm Öl starben 88 Prozent der Embryonen. Weitere Versuche bestätigten die Forscher in ihrer Vermutung, dass der bessere Verteilungsgrad des Öls im Wasser die Hauptursache für die gesteigerte Toxizität ist: Je feiner die Öltröpfchen sind, desto eher gelangen sie in das Gewebe der Fische und desto stärker sind die hervorgerufenen Schäden. Die Vergiftung selbst entsteht durch im Öl enthaltene polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK).

Die Lösung des Diesels im umgebenden Wasser muss jedoch nicht zwangsläufig durch ein chemisches Reinigungsmittel verursacht werden, um Schäden an Jungfischen hervorzurufen. Einen ähnlichen Effekt beobachteten die Forscher in Gewässern mit starker Strömung. Allerdings führte diese natürliche Zerstreuung erst ab erheblich höheren Ölkonzentrationen zu Schädigungen, die dann zudem wesentlich geringer ausfielen. Bei einem Ölgehalt bis zu 1.000 Milligramm je Liter Wasser war keine toxische Wirkung auf die Embryonen festzustellen. Die Forscher beobachteten lediglich eine geringe Abweichung beim Gewicht der Fische.

Hodson et al.: Enviromental Toxicology and Chemistry, Bd. 28, Nr. 3 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

An|äs|the|sio|lo|gie  〈f.; –; unz.; Med.〉 Lehre von der Schmerzbetäubung [<grch. an ... mehr

Erd|reich  〈n. 11; unz.〉 Erdboden, lockere Erde als Grundlage des Pflanzenwachstums

Zun|gen|re|gis|ter  〈n. 13; Mus.〉 Gesamtheit der Zungenpfeifen der Orgel

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige