Tödliche Salzseen - wissenschaft.de
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Umwelt+Natur

Tödliche Salzseen

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Mikroben verleihen Salzseen nicht nur einen intensiven Rosaton, sondern produzieren auch Schadstoffe, die den Klimawandel beschleunigen.
Riesige Salzseen könnten vor 250 Millionen Jahren das größte Massensterben der Erdgeschichte ausgelöst haben, sagen Forscher eines internationalen Forscherteams. In den Salzseen lebten Mikroben, die große Mengen Halogenkohlenwasserstoffe ausschieden. Diese schädigten wiederum die Vegetation und die Ozonschicht so stark, dass 90 Prozent aller Pflanzen- und Tierarten ausstarben. Erst nachdem die Salzseen ausgetrocknet waren, konnte sich die Umwelt wieder erholen. Die Mikroben aus der Urzeit sind auch heute noch in Salzseen wie dem Toten Meer aktiv. Da sich infolge des Klimawandels verstärkt neue Salzseen bilden, sei nicht auszuschließen, dass sich das Szenario auf lange Sicht wiederholen könnte, berichten die Forscher um Ludwig Weißflog vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

In der Übergangszeit zwischen Perm und Trias existierten auf der Erde riesige Salzseen, in der Gegend des heutigen Europas beispielsweise das Zechsteinmeer, das mit 600.000 Quadratkilometern fast so groß wie das heutige Frankreich war. Nach Berechnungen der Wissenschaftler produzierten allein die Mikroben des Zechsteinmeeres jährlich mindesten 3,75 Millionen Tonnen Halogenkohlenwasserstoffe, ein Vielfaches der Menge, die weltweit durch die Industrie produziert wird ? für die Forscher ein beunruhigendes Szenario, wenn man bedenke, dass ausbleibende Niederschläge infolge des Klimawandels bereits seit einigen Jahren die Wüstenbildung und die Neubildung von Salzseen begünstigen.

Über das Massensterben sagt Studienleiter Ludwig Weißflog: „Ob die Halogenkohlenwasserstoffe aus den Salzseen dafür allein verantwortlich sind oder ob es eine Kombination verschiedener Faktoren war und Vulkanausbrüche, Meteoriteneinschläge oder Methanhydrate ebenfalls eine Rolle spielten, bleibt offen.“ Aber, so fügt er gegenüber ddp hinzu, „wir wollten einen Fingerzeig geben und darauf hinweisen, wie solche still und heimlich ablaufenden Prozesse zu enormen Schädigungen führen können.“ Die Vorgänge zu stoppen, indem man die Bakterien etwa durch Chemikalien abtötet, sei nicht möglich. „Wir können das nur aufhalten, indem wir unser Verhalten ändern“, erklärt Weißflog gegenüber ddp.

Ludwig Weißflog et al.: Proceedings of the Russian Academy of Sciences, Bd. 424, Nr. 6; doi: 10.1134/S1028334X09020263 ddp/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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