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Traurige Kombination

Wenn eine Frau mehrere Fehlgeburten erleidet, hat sie später ein deutlich erhöhtes Herzinfarktrisiko. Das zeigt eine Studie aus Heidelberg mit über 11.500 Frauen, die mindestens einmal schwanger gewesen waren. Fast ein Viertel von ihnen hatte eine oder mehrere Fehlgeburten gehabt, bei weiteren zwei Prozent war mindestens ein Kind tot auf die Welt gekommen. Sowohl Fehlgeburten als auch Totgeburten gingen mit einem deutlich erhöhten Risiko einher, später einen Herzinfarkt zu erleiden, zeigte die Auswertung. Besonders betroffen waren Frauen mit mehr als drei Fehlgeburten: Bei ihnen war das Herzinfarktrisiko fünfmal so hoch wie bei Frauen ohne Fehlgeburt. Die Fehlgeburten scheinen jedoch nicht die Ursache des erhöhten Risikos zu sein. Vielmehr gibt es offenbar Faktoren, die sowohl die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt als auch die eines Herzinfarktes erhöhen. Wiederholte Fehlgeburten sollten deshalb als Hinweis auf Probleme mit dem Herz-Kreislauf-System betrachtet werden, schreibt das Team um Elham Kharazmi vom Deutschen Krebsforschungszentrum.

Die Frauen gehörten zu den Teilnehmern der EPIC-Studie, einer großen europäischen Untersuchung mit über 500.000 Probanden aus 10 Ländern, in der der Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf das Krebsrisiko analysiert wurde. In der aktuellen Auswertung erfassten die Wissenschaftler alle 11.518 Frauen aus dem Heidelberger Teil der Studie, die in ihrem Leben irgendwann einmal schwanger gewesen waren. 2.876 von ihnen hatten mindestens eine, 69 sogar mehr als drei Fehlgeburten erlitten. Weitere 209 hatten eine oder mehrere Totgeburten gehabt. In den zehn Jahren, die in der Studie erfasst waren, war zudem bei 82 Frauen ein Herzinfarkt registriert worden und bei 112 ein Schlaganfall.

Zwischen Schlaganfällen und Fehl- oder Totgeburten habe es keinen Zusammenhang gegeben, sagen die Wissenschaftler. Bei den Herzinfarkten sah das jedoch anders aus: Jede Fehlgeburt erhöhte das Risiko für einen späteren Herzinfarkt um etwa 40 Prozent. Bei den Frauen mit mehr als drei Fehlgeburten sei sogar ein fünfmal höheres Risiko aufgetreten. Ein Teil davon ließ sich allerdings auf die üblichen Faktoren zurückführen: Die betroffenen Frauen waren im Durchschnitt dicker als die anderen und waren häufig Raucherinnen oder Ex-Raucherinnen – beides bekannte Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Frauen mit den Totgeburten neigten ebenfalls zu einem höheren Körpergewicht, waren älter, weniger gebildet, trieben weniger Sport und hatten häufiger Diabetes als der Durchschnitt.

Totgeburten und Fehlgeburten seien demnach wohl ebenso wie Herzinfarkte Folgen von Problemen mit dem Herz-Kreislauf-System und nicht die Ursache des erhöhten Herzinfarktrisikos, glauben die Forscher. So verminderten beispielsweise Schäden am Gefäßssystem, etwa durch Rauchen, zum einen die Funktion der Plazenta, was das Fehlgeburtsrisiko bekanntermaßen erhöhe. Zum anderen steigern sie später die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Arteriosklerose, auch Arterienverkalkung genannt, bilde. Allerdings seien auch noch andere Effekte denkbar. So könnte beispielsweise der Einfluss einer vorzeitig beendeten Schwangerschaft auf den Hormonstatus eine Rolle spielen. Zudem erhöhen Fehlgeburten das Risiko für bestimmte Infektionen, die wiederum das Gefäßsystem schädigen können. Auf jeden Fall sollten wiederholte Fehlgeburten als klare Indikatoren für ein angegriffenes Herz-Kreislauf-System betrachtet und den betroffenen Frauen geraten werden, intensive Vorsorge zu betreiben, empfehlen die Forscher.

Elham Kharazmi (Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg) et al.: Heart, doi: 10.1136/hrt.2010.202226 dapd/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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