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Trickser ausgetrickst

Ein dänisches Forscherteam hat einen neuen Ansatz für eine Impfung gefunden, mit dem sich möglicherweise das äußerst wandlungsfähige Hepatitis-C-Virus austricksen lässt: Anstatt wie üblich die äußere Hülle des Erregers ins Visier zu nehmen, setzen die Wissenschaftler das Immunsystem auf Strukturen im Inneren des Virus an. Diese bleiben über die Zeit im Allgemeinen nämlich relativ unverändert, während der Erreger die Beschaffenheit seiner äußeren Hülle ständig verändert – eine Besonderheit, die bisher die Entwicklung eines Impfstoffs unmöglich machte. Die neue Technologie hat sich in ersten Versuchen mit Mäusen bereits bewährt, berichten die Wissenschaftler. Jetzt sollen weitere Tests folgen. Sie hoffen zudem, mit Hilfe dieser Technologie in Zukunft auch einen Impfstoff gegen HIV entwickeln zu können, ein Virus, das seine äußere Erscheinung ebenfalls ständig verändert.

Etwa drei Prozent aller Menschen weltweit sind mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert, das eine chronische Leberentzündung und in späteren Stadien eine Leberzirrhose sowie Leberkrebs verursachen kann. Es ist ein wahrer Verwandlungskünstler: Binnen kürzester Zeit kann es die Proteine auf seiner Oberfläche komplett verändern. Genau das steht jedoch der Entwicklung eines klassischen Impfstoffs entgegen. Das Problem: Bei diesen Impfungen wird das Immunsystem mit Hilfe von abgetöteten oder abgeschwächten Erregern darauf trainiert, bestimmte Eiweißstrukturen auf der Virusoberfläche wiederzuerkennen und als Reaktion darauf entsprechende Antikörper zu bilden. Diese helfen dem Organismus, bei einem späteren erneuten Kontakt mit dem Virus den Erreger sofort abzuwehren.

Das Virus seinerseits versucht, durch ständige Veränderungen seiner Oberfläche das Immunsystem zu überlisten. „Wenn es erfolgreich ist, verliert der Mensch seine Immunität und neue Impfstoffe müssen her“, erklärt Allan Randrup Thomsen, einer der beteiligten Forscher. Um dem aus dem Weg zu gehen, entwickelten er und seine Kollegen jetzt die neue Impfstoff-Technologie. Das Prinzip beruht darauf, dass der Impfstoff Teile des Virus nutzt, die sich nicht so häufig verändern wie die Virusoberfläche.

Dazu wählten die Forscher ein Gen, das den Bauplan für ein Protein aus dem Inneren des Virus trägt. An dieses Gen koppelten sie ein weiteres, Hepatitis-C-typisches Molekül. Damit wollten die Wissenschaftler sicherstellen, dass die Abwehrzellen den Eindringling auf jeden Fall erkennen – auch wenn das Gen des Virus mutieren sollte. Als Verpackung für dieses Gen nutzten sie ein harmloses, abgeschwächtes Adenovirus. Dieser Impfstoff-Prototyp erwies sich im Tierversuch als sehr potent: Die Wissenschaftler testeten ihn an Mäusen und fanden heraus, dass er die sogenannten zytotoxischen T-Zellen im Körper alarmierte, die bei der Immunantwort eine entscheidende Rolle spielen.

Die Forscher spekulieren, dass es mit Hilfe dieser Technologie möglich sein könnte, auch einen Impfstoff gegen das HI-Virus zu entwickeln. Denn HIV zählt neben dem Hepatitis-C-Virus zu denjenigen Viren, die sich am schnellsten verändern können. Die ersten Versuche sind bereits in der Planung: Die Wissenschaftler wollen die Technologie in Kürze an der Affenvariante von HIV, dem SI-Virus, testen.

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Jan Pravsgaard Christensen (Universität Kopenhagen) et al: Journal of Immunology, doi: 10.4049/jimmunol.1001877 dapd/wissenschaft.de – Peggy Freede
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