Resultate des Palmöl-Checks deutscher Unternehmen präsentiert Tut sich was in Sachen Palmöl? - wissenschaft.de
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Resultate des Palmöl-Checks deutscher Unternehmen präsentiert

Tut sich was in Sachen Palmöl?

Riesige Plantagen, wie hier auf der Insel Sumatra, sollen den weltweiten Hunger nach Palmöl stillen. (Foto: James Morgan, WWF)
Erneut hat der WWF die Nachhaltigkeitskriterien beim Palmöl-Einkauf deutscher Unternehmen unter die Lupe genommen. Der aktuelle Palmöl-Check bei 255 deutschen Händlern und Produzenten dokumentiert Fortschritte aber auch den weiterhin kritischen Umgang mit diesem Thema.

118 (46 Prozent) der befragten Unternehmen blieben jegliche Rückmeldung schuldig – ihr Anteil bleibt damit seit Veröffentlichung des ersten Palmöl-Checks im Jahr 2009 unverändert hoch, beklagt der WWF. Es lässt sich allerdings durchaus auch ein positiver Trend feststellen. 112 Unternehmen (knapp 44 Prozent) gaben an, vollständig oder zumindest teilweise zertifiziertes Palmöl einzusetzen. Die übrigen 25 Hersteller haben sich wenigstens Ziele gesetzt, auf zertifiziertes Palmöl umstellen zu wollen, sie legten aber keine Nachweise für den tatsächlichen Bezug von zertifiziertem Palmöl vor, berichtet die Naturschutzorganisation. Ihr Fazit lautet: Wenig Klasse, viel träge Masse und nur ein Teil macht Fortschritte beim Einsatz von zertifiziertem Palmöl.

Der Hintergrund des Problems: Die Palmölfrucht wird vor allem auf Plantagen in den tropischen Regenwaldregionen Südost-Asiens angebaut. Immer mehr Tropenwälder werden dort in lebensfeindliche Plantagen verwandelt, die nicht nachhaltig bewirtschaftet werden. „Fortschrittliche Palmöl-Produzenten bieten Palmöl von Flächen an, auf denen zum Beispiel das Umwandlungsverbot von Torfböden gilt oder keine gefährlichen Pestizide eingesetzt werden. Aber sie finden keine Abnehmer und müssen ihre Ware häufig unter Wert verkaufen“, sagt Jörg-Andreas Krüger, Direktor WWF für den Bereich Ökologischer Fußabdruck.

Viele Totalverweigerer

Um vor allem die Totalverweigerer nun zum Handeln zu bewegen, fordert der WWF von der nächsten Bundesregierung, alle Palmölimporte an die Einhaltung von ökologischen und sozialen Kriterien zu knüpfen. „Die Totalverweigerer reagieren nicht auf Appelle zu Transparenz und Verantwortlichkeit, sie brauchen gesetzliche Vorgaben zu ökologischen und sozialen Kriterien für importiertes Palmöl oder eine Kennzeichnungspflicht für alle Verbrauchsgüter“, sagt Krüger.

Auch bei vielen Unternehmen, die bereits auf zertifiziertes Palmöl setzen, gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten, betont die Umweltschutzorganisation. Sie verwenden in der Regel nach dem RSPO-Standard zertifiziertes Palmöl, das der WWF nur als Mindest-Niveau einstuft. Noch gibt es zu wenige deutsche Firmen, die als Palmöl-Vorreiter verbindliche Zusatzkriterien zum RSPO einfordern, Kleinbauern unterstützen oder Bio-Palmöl einsetzen, bemängelt der WWF.

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Problem-Palmöl im Futtertrog

Beim aktuellen Palmöl-Check schneidet auch erneut die Futtermittelbranche schlecht ab: „Beim Thema Palmöl reden alle über Nutella, keiner aber über Wurst, Käse oder Ei. Nur wenige wissen, dass acht Prozent des importierten Palmöls an Geflügel, Schweine und Rinder verfüttert wird. Das macht es den Herstellern von Futtermitteln leicht, sich beim Thema Palmöl aus der Verantwortung zu schleichen“, sagt Krüger. Nutztiere sollten eigentlich Futter aus heimischer Produktion bekommen. Wo weiter Soja oder Palmöl im Trog landet, müsse dieses wenigstens ökologische und soziale Mindestkriterien erfüllen, so der WWF.

Im Rahmen des Palmöl-Checks wird mithilfe eines Fragenkatalogs bewertet, inwieweit die Unternehmen Nachhaltigkeitskriterien beim Einkauf von Palmöl beachten und was für Palmöl sie verwenden. Neben den Enttäuschungen, hebt der WWF auch die positiven Beispiele hervor: Die Top 5 im Ranking sind Care Naturkost, Daabon, Agrarfrost, Rapunzel Naturkost und Lorenz Bahlsen Snack-World. Dass es auch lobenswerte Entwicklungen gibt, zeigt das Beispiel Rossmann: Die Drogeriekette ist nach mehrfach schlechter Bewertung jetzt erstmals im grünen Bereich gelandet.

Quelle: WWF Deutschland

© natur.de – Martin Vieweg
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