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Übelkeit mit Migrationshintergrund

Frauen leiden nicht überall auf der Erde gleich stark unter Schwangerschaftsübelkeit: Extreme Formen des Leidens treten bei schwangeren Frauen aus Indien und Sri Lanka rund viermal häufiger auf als bei Westeuropäerinnen. Das haben Forscher unter der Leitung von Åse Vikanes vom Norwegian Institute of Public Health festgestellt. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler die Daten von mehr als 900.000 Schwangerschaften. Für Frauen, die in Westeuropa oder Nordamerika geboren wurden, besteht demnach ein Risiko von weniger als einem Prozent, während ihrer ersten Schwangerschaft an der sogenannten Hyperemesis gravidarum zu erkranken. Für immigrierte Frauen aus anderen Gebieten liegt das Risiko hingegen zum Teil deutlich höher.

Für ihre Studie analysierten Vikanes und ihr Team Daten aus dem norwegischen Geburtsregister. Aus dem Zeitraum von 1967 bis 2005 wählten sie dafür alle schwangeren Frauen aus, die zum ersten Mal ein Kind erwarteten. Neben dem Herkunftsland der Schwangeren untersuchten die Forscher auch soziodemographische Faktoren wie Alter, Bildungsgrad und Familienstand. Das Ergebnis zeigte deutliche Unterschiede für Frauen aus verschiedenen Regionen der Welt, an Hyperemesis gravidarum zu erkranken. Am höchsten war dieses Risiko bei Frauen, die aus dem südlichen Afrika und aus Indien stammten: Hier erkrankten teilweise mehr als drei Prozent an extremer Übelkeit.

Diese Unterschiede sind nicht allein aus den soziodemographischen Faktoren zu erklären, schreiben die Forscher. Stattdessen seien wohl bislang unbekannte biologische Faktoren für die Ungleichverteilung dieses Zustandes verantwortlich, der im Extremfall zu Dehydrierung und Gewichtsverlust führen kann. Auch die Entstehung der Krankheit selbst ist noch nicht geklärt. Einen möglichen Risikofaktor sehen die Wissenschaftler aber in Ehen unter Blutsverwandten, die in einigen Weltregionen wesentlich weiter verbreitet seien. Die daraus resultierenden Veränderungen im Erbgut könnten Hyperemesis gravidarum begünstigen, schildern die Wissenschaftler. Auch Veränderungen in den Ernährungsgewohnheiten, die mit dem Umzug einhergehen, könnten einen Auslöser für die extreme Übelkeit darstellen.

Åse Vikanes (Norwegian Institute of Public Health) et al.: Scandinavian Journal of Public Health, Bd. 36, S. 135 ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens
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