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Umwelt+Natur

Überraschung im Pilzpaket

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Die im Laden gekaufte Packung getrockneter Steinpilze (Bryn Dentinger)
Jetzt im Herbst sind Pilzexperten wieder gefragt: Wer sich mit Pilzen auskennt, kann sich nun im Wald manche Mahlzeit sammeln. Wem das zu heikel ist, der greift lieber im Supermarkt zu frischen oder getrockneten Speisepilzen. Doch auch dort kann man Überraschungen erleben, wie britische Forscher jetzt feststellten: Sie unterzogen eine Packung ganz normaler getrockneter Steinpilze aus dem Laden einer DNA-Analyse – und entdeckten darin prompt drei zuvor unbekannte Steinpilz-Arten.

Das Reich der Pilze ist extrem artenreich – und doch erst zu einem Bruchteil erforscht und bekannt. Forscher schätzen, dass es bis zu zehn Millionen Pilzarten gibt, von denen gerade einmal 100.000 Arten bereits beschrieben sind. Bei den Hutpilzen, zu denen Steinpilz, Pfifferling und Co gehören, sieht es ähnlich aus, wie Bryn Dentinger und Laura Suz von den Royal Botanical Gardens in Kew berichten: Jedes Jahr werden Dutzende neuer Arten identifiziert und selbst die seit Jahrhunderten in Europa als Speisepilze genutzten Sorten erweisen sich als weitaus arten- und variantenreicher als lange Zeit gedacht. Das trifft auch für die Steinpilze zu (Boletus sp.). Weil sich diese beliebten Speisepilze nicht züchten lassen, stammt rund die Hälfte der in Europa verkauften getrockneten Exemplare aus den Wäldern Chinas, wie die Forscher berichten.

Drei unbekannte Arten

Um herauszufinden, welche Arten von Steinpilzen in den typischen Trockenpilzpäckchen im Supermarkt enthalten sind, nahmen die Forscher eine Stichprobe. Sie kauften ein Päckchen getrockneter Steinpilze in einem Laden in London und entnahmen daraus wahllos 15 Pilzstückchen. Diese unterzogen sie einer DNA-Analyse und verglichen die Sequenzen mit denen der bekannten Steinpilzarten. Das Ergebnis: In dem Päckchen fanden sich gleich drei zuvor unbekannte Steinpilzarten, die auch in China keine eigene Bezeichnung hatten. Diese seien aber genauso essbar wie die bekannten Arten, betonen die Forscher. Unter den Steinpilzen sind bisher keine giftigen Arten bekannt, es gibt aber sehr wohl einige Arten, die Allergien hervorrufen können – umso wichtiger sei es daher zu wissen, welche Arten tatsächlich im Handel sind.

„Unsere Ergebnisse demonstrieren, wie allgegenwärtig die verborgene Vielfalt der Pilze ist: Sie findet sich buchstäblich direkt unter unseren Nasen“, sagt Dentinger. Das kleine Experiment zeige sehr deutlich, dass sich unbekannte Pilzarten nicht nur in entlegenen Waldgebieten finden, sondern auch dort, wo wir sie nicht erwarten: im Supermarkt und auf unseren Tellern. Diese Pilzarten zu identifizieren ist nach Ansicht der Forscher nicht nur wichtig, um negative Folgen für die Gesundheit auszuschließen. Dabei könnten auch neue Arten entdeckt werden, die sich als nützlich beispielsweise für die Medizin oder die Ökologie erweisen. Die neuen Methoden der DNA-Analyse könnte es künftig ermöglichen, solche verborgenen Arten besser aufzuspüren – sowohl im Wald als auch im Supermarkt.

Quelle:

© wissenschaft.de – Nadja Podbregar
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