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Umwelt+Natur

Umwelt gegen Gene: 1 : 0 bei Amseln

Stadtamseln starten im Frühling drei Wochen früher mit Partnersuche und Brüten als ihre Artgenossen im Wald. Dafür sind vor allem die Umweltbedingungen und weniger genetische Unterschiede verantwortlich, hat ein deutsch-amerikanisches Forscherteam herausgefunden. Ihre Experimente schildern Eberhard Gwinner vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Andechs und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences (Online-Vorabveröffentlichung, DOI 10.1098/rspb.2004.2821).

Gwinner und seine Kollegen sammelten jeweils 30 Amseln aus je 10 Nestern in München und einem nahe gelegenen Wald. Sie zogen die Vögel von Hand auf und beobachten sie über zwei Jahre hinweg. Unter den Laborbedingungen waren die in der Natur deutlichen Unterschiede im Timing der Fortpflanzung deutlich reduziert oder verschwanden sogar ganz. Demnach können im Erbgut verankerte Faktoren nicht ausschlaggebend am Frühstart der Stadtamseln beteiligt sein, schließen die Forscher.

Allerdings fanden sie Hinweise darauf, dass genetische Unterschiede einen leichten Einfluss auf das Timing haben könnten. Im ersten Jahr bildeten die männlichen aus der Stadt stammenden Vögel bestimmte Geschlechtshormone auch im Labor früher aus als ihre ländlichen Artgenossen. Zudem nahm die Menge an Geschlechtshormonen bei den weiblichen Stadtamseln früher wieder ab als bei Waldamseln. Diese genetischen Faktoren könnten zu den Unterschieden im Timing beitragen, schließen die Biologen.

Bei vielen Tiere unterscheidet sich das Timing der Fortpflanzung zwischen Stadt- und Wild-Populationen. Diese können theoretisch entweder durch Abweichungen des Erbguts verursacht werden, die im Laufe der Verstädterung entstanden sind, oder durch die veränderten Umweltbedingungen in der Stadt. Dazu gehören zum Beispiel künstliches Licht, zusätzliche Futterquellen und ein wärmeres Klima. Die Experimente von Gwinner und seinen Kollegen belegen, dass zumindest bei Amseln die Umwelt der entscheidendere Faktor für die Veränderungen ist.

ddp/bdw ? Cornelia Dick-Pfaff
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