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Umweltfreundlichere Netze für die Aquakultur

Netze
Wissenschaftler mit Testnetzen einer Aquakultur. (Bild: Julia Siekmann, Uni Kiel)

Aquakulturen liefern inzwischen rund die Hälfte aller Speisefische weltweit – trotz aller damit verbundenen Probleme. Einen Beitrag, um die Netzkulturen umweltfreundlicher machen, leistet eine neuartige Beschichtung für die Netze. Sie soll künftig deren Zuwachsen verhindern, ohne dass schädliche Chemikalien ins Meer freigesetzt werden. Erste Langzeittests der neuen Beschichtung haben zu vielversprechenden Ergebnissen geführt.

Weltweit werden immer mehr Süßwasser- und Meeresfische in Teichen, Zuchtbecken und Netzgehegen gezüchtet. Jeder zweite Speisefisch weltweit stammt nach Angaben des UN-Welternährungsprogramms heute aus solchen Aquakulturen. Das entlastet zwar die freilebenden Fischbestände, bringt aber neue Probleme mit sich. So überdüngen der Kot und die Futterreste der oft relativ dichtgedrängt lebenden Zuchtfische auch die umliegenden Wasserbereiche. Werden sie mit Antibiotika behandelt, verteilt sich auch dies im Wasser und Boden und fördert Resistenzen bei Bakterien.

Was tun gegen den Netzaufwuchs?

Ein weiteres Problem: Auf den Netzen, die die Zuchtfische eingrenzen, siedeln sich schnell Mikro- und Makroorganismen wie Algen, Muscheln oder Seepocken an. „Dieser Bewuchs ist hartnäckig und macht die Netze schwerer. Dadurch könnten sie reißen und wir unseren Fischbestand verlieren“, erklärt Meeresbiologin und Fischzüchterin Yvonne Rößner von der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU). „Außerdem verringern die zugewachsenen Maschen den Nährstoffaustausch, was die Gesundheit der Fische gefährdet.“ Typischerweise werden die Netze von Aquakulturen daher mit kupferhaltigen Anstrichen beschichtet, die eine starke Ansiedelung von Algen, Muscheln oder Seepocken verhindern. Diese Anstriche geben jedoch schädliche Substanzen ins Wasser ab.

Das wollen Rößner und ihre Kollegin Sophie Bodenstein verhindern. Bisher ziehen sie deshalb alle paar Tage die Netze aus dem Wasser und lassen sie durch Wind und Sonne trocknen. „Das ist zeitaufwendige und kräftezehrende Handarbeit, aber dadurch können wir komplett auf die chemische Behandlung unserer Netzgehege verzichten“, sagt Rößner. Um eine bessere und weniger aufwendige Lösung zu finden, haben die beiden Fischzüchterinnen sich an einem Biofouling-Forschungsprojekt der Universität Kiel beteiligt. Bei diesem greifen die Wissenschaftler auf Erfahrungen mit einem umweltfreundlichen Lacksystem für Schiffe zurück und prüfen, welche Strategien sich für Netze übernehmen und anpassen lassen.

Polymerkomposit als „Teflon“ für Netze

Ein vielversprechender Kandidat ist ein Anstrich aus einem Polymerkomposit mit speziell geformten Keramikpartikeln. Er sorgt für eine extrem glatte Oberfläche, an der Organismen nur schwer haften. Gemeinsam mit dem Netzhersteller Walter Kremmin haben die Wissenschaftler unter Leitung von Martina Baum von der CAU getestet, wie unterschiedliche Zusammensetzungen ihres Polymerkomposits auf handelsüblichen Netzen wirken und sich auftragen lassen. Für Langzeittests beschichteten sie zwei Arten von Netzen mit verschiedenen Materialzusammensetzungen und hängten sie in der Fischzuchtanlage von Rößner und Bodenstein unterschiedlich tief in die Kieler Förde.

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Die ersten Ergebnisse der Langzeittests mit rund 400 Proben zeigen, dass einige Beschichtungen gut gegen die Aufwuchs helfen. „Die Organismen auf unseren beschichteten Testnetzen lassen sich sehr leicht mit der Hand abwischen“, erklärt Baums Kollege Haoyi Qiu. „Das hängt aber auch von der Dicke unserer Beschichtung ab. Tragen wir zu viel auf, werden die Netze zu schwer und könnten reißen.“ Die Forscher sind bereits dabei, die optimale Dicke zu erforschen und die Beschichtung weiter zu entwickeln. Ein Patent für die Beschichtung hat das Team aber bereits angemeldet. Letztliches Ziel ist es, sie zu optimieren, dass die Wasserströmung schon ausreicht, um Mikroorganismen und Larven sofort wegzutragen, so dass sie sich gar nicht erst auf den Netzen ansiedeln können.

Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

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