Unerwartete Spürhundqualitäten - wissenschaft.de
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Unerwartete Spürhundqualitäten

Menschen können ähnlich wie Hunde Duftspuren schnüffelnd verfolgen und demnach deutlich besser riechen, als man ihnen bisher zugetraut hatte. Das haben amerikanische Forscher bei einer Studie mit 32 Freiwilligen nachgewiesen. Dabei konnten die Probanden die Quelle eines Geruchs orten, indem sie die Geruchsinformationen aus den beiden Nasenlöchern verglichen. Die Spürhundqualitäten konnten durch Training sogar noch verbessert werden.

In ihrer Studie bedienten sich die Forscher eines besonderen Versuchstieres: des Menschen. Der kann komplexeren Anweisungen relativ leicht folgen und lässt sich auch manipulieren, was Hunden beispielsweise nicht so gut gefällt. Um zu testen, ob Menschen wie Hunde überhaupt Geruchsquellen lokalisieren können, legten die Forscher eine ungefähr zehn Meter lange Duftspur aus und baten 32 Freiwillige, dieser Fährte zu folgen. Damit die Versuchspersonen nur ihren Geruchssinn benutzten, mussten sie Augenbinde, Ohrstöpsel und dicke Handschuhe tragen. Trotzdem schafften es zwei Drittel von ihnen in weniger als sieben Minuten bis zum Ziel. Durch dreitätiges Training, währenddessen die Aufgabe neunmal wiederholt wurde, konnten vier ausgewählte Versuchspersonen ihre Leistungen sogar noch verbessern: Sie schafften die Aufgabe doppelt so schnell wie zuvor und wichen auch weniger von der Duftspur ab.

Die Fährte verfolgten die menschlichen Versuchskaninchen mit derselben Strategie wie ihre tierischen Verwandten, zeigte die Auswertung: Sie spürten dem Geruch in einem Zickzackmuster nach. Je schneller sie dabei wurden, desto höher stieg auch ihre Schnüffelfrequenz ? eine Taktik, mit der nach Ansicht der Wissenschaftler auch Hunde möglichst viele Duftmoleküle in die Nase bekommen und dadurch zu wahren Hochleistungsschnüfflern werden.

Weitere Untersuchungen zeigten den Forschern außerdem, wie die Probanden die Gerüche orteten: Jedes Nasenloch zog Duftmoleküle aus verschiedenen Regionen ein, die ungefähr 3,5 Zentimeter auseinander liegen. Wurde den Versuchspersonen ein Nasenloch zugeklebt oder die erschnüffelte Luft durch einen Nasenaufsatz künstlich zusammengeführt, konnten sie ihre Aufgabe nicht mehr so gut erfüllen ? sie wurden langsamer und ungenauer. Demnach werden bei der Duftwahrnehmung ähnlich wie beim Hören die Informationen aus zwei Richtungen verglichen und auf diese Weise die Position der Quelle bestimmt, erklären die Forscher.

Der menschliche Geruchssinn hat seinen schlechten Ruf also zu Unrecht, resümieren die Autoren. Er werde wohl deswegen unterschätzt, weil die Menschen ihre Geruchsfähigkeiten im Alltag nicht mehr voll ausschöpfen und nicht, weil der Sinn im Lauf der Entwicklung so viel schlechter geworden sei.

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Jess Porter (Universität von Kalifornien, Berkeley) et al.: Nature Neuroscience, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nn1819 ddp/wissenschaft.de ? Annette Schneider
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