Ungeborene Nashornmädchen im Stress - wissenschaft.de
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Ungeborene Nashornmädchen im Stress

Werden Spitzmaulnashörner früh während der Trächtigkeit gestresst, bringen sie fast dreimal mehr männliche als weibliche Nachkommen zur Welt. Das haben neuseeländische Biologen herausgefunden. Dieses Ungleichgewicht kommt wohl durch den unter Stress erhöhten Blutzuckerspiegel der trächtigen Weibchen zustande, der für die weiblichen Embryonen schädlich sei, erklären die Forscher. Ihre Erkenntnisse sollen helfen, die Nashornbestände wieder aufzustocken.

Wildhüter versuchten schon mehrmals, die Verbreitung der stark bedrohten Spitzmaulnashörner zu fördern, indem sie Tiere in neu angelegte Wildparks umsiedelten. Der Erfolg blieb aber aus, da die Weibchen dort zu viele männliche Nachkommen gebaren. Untersuchungen bei anderen Säugetieren ließen vermuten, dass ein hoher Blutzuckerspiegel in den ersten Wochen der Tragzeit den weiblichen Embryonen schadet. Da stressige Ereignisse wie das Einfangen der Tiere zu einem starken Anstieg der Blutzuckerwerte führen, vermutete Wayne Linklater auch bei den Spitzmaulnashörnern einen ähnlichen Effekt.

Wayne Linklater untersuchte mit seinem Team Aufzeichnungen über die Geburten der umgesiedelten Tiere während der vergangenen vierzig Jahre. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Weibchen, die während der ersten Tage ihrer Tragzeit in den neuen Wildpark verlegt worden waren, durchschnittlich 2,7mal mehr Männchen als Weibchen gebaren. In diesen ersten hundert Tagen nistet sich der Embryo in der Gebärmutter ein und es bildet sich die Plazenta. Trächtige Weibchen hingegen, die erst später umgesiedelt worden waren, brachten gleich viele Männchen wie Weibchen zur Welt.

Wenn die Umsiedlungen erst in den späteren Stadien der Trächtigkeit stattfinden, könnte das Geschlechterverhältnis der Jungtiere daher ausgeglichen werden, folgert Linklater aus seiner Studie. Allerdings gebaren auch Weibchen, die erst im neuen Gehege trächtig geworden waren, vorwiegend Männchen. Linklater erklärt diese Beobachtung damit, dass die Nashörner in der neuen, üppigen Umgebung zuviel fressen, weshalb ihr Gewicht sowie der Blutzuckerspiegel ansteigt. Die Wildhüter müssten daher womöglich auch die Ernährung der Tiere verändern.

Science, Online-Dienst Wayne Linklater (Victoria-Universität, Wellington) et al.: Beitrag beim Treffen der Society for Conservation Biology, San Jose ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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