Ungleiche Schwertwale - wissenschaft.de
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Ungleiche Schwertwale

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Schwertwale sind Forscher schon seit Längerem durch unterschiedliche Verhaltensweisen aufgefallen. Foto: Robert Pittman, public domain
Die Schwertwale, die in den Ozeanen rund um die Welt leben, gehören wohl doch nicht ? wie bislang angenommen ? alle der gleichen Art an. Es scheint vielmehr mindestens drei eigenständige Arten dieser auch Orca genannten Walart und eine ganze Reihe von Unterarten zu geben, haben dänische und amerikanische Forscher jetzt bei einer genetischen Analyse von 139 Gewebeproben aus unterschiedlichen Regionen entdeckt. Da Orcas in isolierten Gruppen leben, die zum Teil sehr unterschiedliche Nahrungsvorlieben und Verhaltensweisen zeigen, stützen die Ergebnisse die bereits früher geäußerten Vermutungen, es könne sich um verschiedene Arten handeln, beichten Phillip Morin vom Scripps-Institut für Ozeanographie in La Jolla und seine Kollegen.

Obwohl sich Schwertwale aus unterschiedlichen Regionen optisch bis auf leichte Abweichungen bei Körpergröße und Musterung relativ stark ähneln, unterscheiden sie sich zum Teil deutlich in ihrer Lebensweise. Einige bevorzugen beispielsweise Küstengebiete als Lebensraum, während andere im offenen Wasser leben. Manche sind eher sesshaft, wieder andere streifen umher. Auch ihre Gesänge und ihr sonstiges Verhalten stimmen nicht vollständig überein. Am auffallendsten sind jedoch die Unterschiede in der Ernährung: Einige Gruppen fressen ausschließlich Fisch, andere bevorzugen eine Mischkost aus Fisch und Säugetieren, wie etwa Robben, und wieder andere ernähren sich ausschließlich von Säugetieren.

Dennoch galten bislang alle Tiere als eine einzige Art. Die verschiedenen Gruppen wurden zwar als unterschiedliche Typen betrachtet, von denen interessanterweise zum Teil mehrere in ein und demselben Lebensraum lebten. Eine genauere Eingruppierung war jedoch schwierig, da nur wenig über die Erbgutzusammensetzung der Tiere bekannt war. Die wenigen Bereiche, die bereits sequenziert worden waren, lieferten zudem nur unvollständige Informationen ? unter anderem, weil die Veränderungsrate der DNA mit der Zeit bei Walen äußerst gering ist. Um dieses Problem zu umgehen, nutzten Morin und seine Kollegen jetzt moderne Sequenzierungsmethoden, mit denen sehr viel mehr Proben in einer geringeren Zeit analysiert werden können als früher. Sie konzentrierten sich dabei auf das Genom der Mitochondrien, der kleinen Kraftwerke innerhalb der Zellen, das immer über die mütterliche Linie vererbt und daher häufig für die Aufklärung von Abstammungslinien verwendet wird.

Die Bausteinabfolge zeigte drei eindeutig unterschiedliche Gruppen, die drei bereits bekannten Typen entsprechen und nach Ansicht der Forscher als eigenständige Arten klassifiziert werden sollten. Die Abstammungslinie einer dieser Arten, die im östlichen Nordpazifik lebt, hat sich bereits vor etwa 700.000 Jahren und damit sehr viel früher als vermutet von den anderen Schwertwalgruppen getrennt. Die anderen beiden neu identifizierten Arten leben in den südlichen Ozeanen rund um die Antarktis und entwickeln sich seit etwa 150.000 Jahren eigenständig. Für die anderen Gruppen reiche die Datenlage aktuell noch nicht aus, um sie klar eingliedern zu können, schreiben die Wissenschaftler. Die genauere Kenntnis des Orca-Stammbaums ist vor allem deswegen wichtig, weil sie helfen kann, die einzelnen Varianten besser zu verstehen ? und sie damit auch besser zu schützen.

Phillip Morin (Scripps-Institut für Ozeanographie, La Jolla) et al.: Genome Research, doi: 10.1101/gr.102954.109 ddp/wde ? Ilka Lehnen-Beyel
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