Universelles Seufzen - wissenschaft.de
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Gesellschaft+Psychologie Umwelt+Natur

Universelles Seufzen

Der Mensch hat für den Ausdruck von Gefühlen ein über alle kulturellen Grenzen hinweg gültiges, universelles Repertoire von Lauten. Das sagen britische Psychologen nach Tests an Briten und an Mitgliedern des im Nordwesten Namibias lebenden Volks der Himba. Tonaufnahmen von Lauten, die Zorn und Ärger, Angst, Ekel und Trauer, aber auch positive Gefühle wie Freude oder Erheiterung ausdrückten, wurden von Vertretern beider Kulturen gleichermaßen verstanden. In früheren Studien hatten Forscher bereits gezeigt, dass es eine universelle Mimik und Gestik zum Ausdruck von Gefühlen gibt.

Die Forscher spielten den Probanden zunächst eine kurze Geschichte mit hohem emotionalem Gehalt vor, beispielsweise von einem Menschen, der einen nahen Angehörigen verloren hat. Anschließend hörten die Versuchsteilnehmer zwei verschiedene emotionale Laute. Die Probanden mussten dann dem von der Geschichte vermittelten Gefühl den jeweils richtigen Laut zuordnen. Die emotionalen Laute waren sowohl bei Briten wie auch bei den weitgehend unberührt von der westlichen Zivilisation lebenden Himba korrekt aufgenommen worden.

Sowohl die Briten als auch die Himba konnten die Lautäußerung dem passenden Gefühl zuordnen ? unabhängig davon, ob die Laute bei einem Vertreter der eigenen oder der fremden Kultur aufgenommen worden war, ergab die Auswertung. Die Treffsicherheit war zwar bei Lautäußerungen aus der eigenen Gruppe etwas höher, doch für die Grundemotionen wie Zorn, Ekel, Angst, Belustigung, Traurigkeit und Überraschung könne man durchaus von einer kulturübergreifenden Sprache ausgehen.

Unterschiede fanden die Forscher allerdings in Lautäußerungen, die Erleichterung ausdrücken sollten. Hier hatten die Himba deutliche Schwierigkeiten, die entsprechende Lautäußerung ? ein Seufzen ? richtig zuzuordnen. Auch bei anderen positiven Gefühlen wie sinnliche Freude und Stolz über einen Erfolg schnitten sie weniger gut ab. Die Wissenschaftler erklären dieses Ergebnis damit, dass in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit solche positiven Gefühle hauptsächlich mit Vertretern des eigenen Volks geteilt wurden und ein Verständnis über kulturelle Grenzen weniger wichtig war.

Disa Sauter (University College, London) et al.: PNAS, doi 10.1073/pnas.0908239106 ddp/wissenschaft.de – Ulrich Dewald
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